Zeitung Heute : Die ungewohnte Bella Block

Der Tagesspiegel

Sanft ist sie geworden, die Bella Block. So kennt man sie gar nicht. In ihrem zwölften Fall („Im Namen der Ehre“, ZDF, Sonnabend, 20 Uhr 15) zeigt Hannelore Hoger die sonst eher schroffe Kommissarin Bella Block von einer weichen, fast mütterlichen Seite. Alles beginnt mit dem Mord an einem Lehrer. An der Schule wird gemunkelt, er habe ein Verhältnis mit seiner Schülerin Bea (Jasmin Asadie), einer Albanerin aus streng gläubiger, muslimischer Familie, gehabt. Beas Vater macht keinen Hehl aus seinem Hass gegen den Pädagogen, obwohl seine Tochter eine Liebesbeziehung abstreitet. Die Kommissarin kann es nicht lassen, sich mit viel persönlichem Engagement in die Streitigkeiten der albanischen Familie einzumischen. Sie beschließt, Bea vor ihrer dominanten Verwandtschaft zu schützen und bei sich aufzunehmen. Und schon steckt sie mittendrin in dem Familienkonflikt um Ehre, Missbrauch und Blutrache.

Religiöser Fundamentalismus steht beim neuesten Bella-Block-Krimi im Mittelpunkt. „Wir wollten bei dieser schwierigen Thematik keine Fehler machen und haben deshalb mit verschiedenen Islam-Experten zusammengearbeitet“, sagt Produzent Michael Albers. Um das Expertenwissen im Film unterzubringen, wurde offenbar eigens die Figur eines geistlichen Lehrers in die Geschichte eingeführt. Dieser erteilt in seiner Koranschule der barfüßig ausharrenden Kommissarin einige Lektionen in Sachen Islam. Das mag pädagogisch wertvoll sein, die Belehrungen erscheinen jedoch überbetont. Trotzdem haben Regisseur Andreas Gruber und Autor Jochen Brunow gut daran getan, sich um Genauigkeit zu bemühen.

Und auch wenn Bella Block hier ungewöhnlich weich wirkt. Ihre Sturheit lugt zwischendrin schon hervor: „Schreibt der Koran auch vor, dass man seine Tochter schlägt?“, fragt sie ungerührt den jähzornigen Familienvater. Und als dessen Sohn, entnervt von den unermüdlichen Recherchen der Kommissarin, fordert: „Hören Sie doch auf!“, entgegnet sie trocken: „Nö!“ So ist es vor allem Bellas altbekannte, wohltuend knorrige Art, die den Film vor übertriebener politischer Korrektheit bewahrt. Iris Ockenfels

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