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E-Learning mit „Moodle“: Neue Computer-Lernprogramme ergänzen in vielen Fächern Vorlesungen und Seminare

Ljiljana Nikolic

Let’s moodle! Das ist kein Graffito auf der alterwürdigen Fassade der Humboldt-Universität, aber möglicherweise ein passendes Motto für Studium und Lehre an der HU. Fast vorbei sind die Zeiten, als Studierende Handapparate in der Bibliothek einsehen mussten, Sekretärinnen ellenlange E-Maillisten abtippen durften und Klausurergebnisse per Aushang im Institut veröffentlich wurden. Moodle-Nutzer können das alles mit ein paar Klicks am Computer erledigen.

Moodle ist ein Lernmanagementsystem, das seit einem Jahr an der Universität an nahezu allen Fakultäten eingesetzt wird und den Alltag von Studierenden und Lehrenden bereits nachhaltig verändert hat. „Es simuliert wie ähnliche Lernsysteme auch in der Präsenzlehre bewährte Werkzeuge, wie Handapparate, Seminarpläne, Teilnehmerlisten in einer virtuellen Kursumgebung“, erklärt Andreas Vollmer, Mitarbeiter des Multimedia Lehr- und Lernzentrums (MLZ). Das MLZ ist für den Einsatz von Multimedia oder auch E-Learning an der HU zuständig, unterstützt die Lehrenden in diesem Bereich und ist technisch wie inhaltlich für Moodle zuständig.

Das System wird zurzeit von 6 000 Universitätsangehörigen genutzt und ist ein bedeutender Baustein in den vielfältigen Aktivitäten im Bereich Multimedia. Dazu gehört ein eigenes, mit 250 000 Euro dotiertes Multimedia-Förderprogramm, mit dem HU-Projekte personell oder technisch unterstützt werden, sei es zur Aufbereitung von Lehrveranstaltungen, Lehrmaterialen oder im Bereich der Forschung. Außerdem läuft zurzeit ein Antrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zum Thema „E-Learning Dienste für die Wissenschaft“. Denn auch in Zeiten knapper Kassen, Stellenstreichungen und gleichzeitiger Einrichtung neuer Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschluss bleibt es Aufgabe der Universität, Studium und Lehre zu verbessern, wobei multimediale Elemente unterstützend wirken. „Es ist falsch zu denken, dass durch den Einsatz von webgestützten Programmen Kosten gespart werden, oft werden sie nur verlagert“, betont Andreas Vollmer, „aber dafür können Ressourcen besser genutzt und Lehre effektiver gestaltet werden.“

Eine Schwierigkeit in der Lehre stellen hohe Teilnehmerzahlen dar. Parallelveranstaltungen, die mit Moodle gestützt werden, lassen sich gut untereinander abstimmen. Lehrende, die ihren Kurse mit großem Aufwand vorbereitet haben, können diese in den folgenden Semestern aktualisieren und wiederverwenden oder an verwandte Fachbereiche weitergeben. Sozialwissenschaftler, Slawisten, Geografen und das Sprachenzentrum gehören zu den fleißigsten Nutzern.

Ein wichtiges Pendant zu Moodle ist das Objektmanagementsystem Mneme, benannt nach der Muse des Gedächtnisses, das es ermöglicht, verschiedene Objekte zu digitalisieren und beispielweise in virtuellen Diatheken zur Verfügung zu stellen. Gerade für Studiengänge, die viel mit visuellem Anschauungsmaterial arbeiten, ist eine Kombination von Moodle und Mneme ideal. Dabei steuern die Arbeitsbereiche selbst, wem sie den Zugriff auf ihre Daten erlauben.

E-Learning ist auch bei der Charité- Universitätsmedizin Berlin ein aktuelles Thema. In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen des BMBF-Förderprogramms „Neue Medien in der Hochschullehre“ insgesamt sechs E-Learning-Projekte, darunter ein Notebook-University Projekt, erfolgreich umgesetzt. Die Projekte haben interaktive Lehr- und Lernsysteme entwickelt und stellen für zwölf Fachgebiete der Medizin E-Learning-Inhalte bereit, die es den Studierenden ebenfalls ermöglichen, praxisorientierter zu arbeiten. „Die Lernangebote haben verschiedene medizinische Schwerpunkte, bieten fallbasiertes sowie systematisches Lernen an und stellen unterschiedliche didaktische Herangehensweisen dar“, erklärt Tina Fix, die am Multimedia Centrum der Charité arbeitet. So kann der Studierende mit den Systemen „Sympol“ oder „Meducase“ nicht nur ein Problem von Anfang bis Ende durcharbeiten, sondern frühzeitig in den Arztkittel schlüpfen und eine Diagnose bei einem virtuellen Patienten stellen. Ob Anatomie, Innere Medizin oder Radiologie: Der Studierende muss bei jedem Fall selbstständig entscheiden, welche Untersuchungen er in welcher Reihenfolge durchführen möchte. Wie im richtigen Leben führen mehrere Wege zum Ziel.

Im medizinischen wie im nichtmedizinischen Bereich der Universität gibt es Bestrebungen, den Multimedia-Einsatz in Studium und Lehre nicht dem Zufall zu überlassen. „Wir wollen E-Learning stärker curricular einbinden, sodass nicht nur Engagierte das Angebot nutzen“, sagt Tina Fix. Auch wenn die multimedialen Hilfsmittel vielversprechend erscheinen, so ist ihr Einsatz nicht unbedingt selbstverständlich. „Die Lehrenden in der Medizin haben wenig Zeit, sich damit auseinander zu setzen, da sie noch im Klinik-Alltag eingebunden sind“, so die Charité-Mitarbeiterin. Die Studierenden haben die Qual der Wahl, denn zahlreiche Bücher und Prüfungssoftware sind auf dem Markt, die eine optimale Prüfungsvorbereitung versprechen. „Unser Ziel ist es, bis zu 15 Prozent der Lehrveranstaltungen mit computergestützten Methoden zu verknüpfen“, sagt Tina Fix.

Um das vorhandene Material zu verstetigen und zu verbreitern, haben sich die Humboldt-Universität und die Charité für ein Förderprogramm des Bundesforschungsministeriums beworben. An der HU (ohne Medizin) soll unter dem Titel „e-Kompetenz im Kontext" (e-KoKon) webunterstütztes Lehren und Lernen breit verankert werden. „Geplant ist unter anderem ein E-Learning-Verbund, in dem Vertreter der Institute und Fakultäten miteinander wie mit gesamtuniversitären Gremien vernetzt werden sollen“, berichtet Andreas Vollmer.

Auf ihre konventionellen Vorlesungen müssen die Studenten in Zukunft trotzdem nicht verzichten, beruhigt Tina Fix: „Es ist nicht geplant, die ganze Lehre durch Online-Angebote zu ersetzen.“

Mehr Informationen im Internet::

http://mmcc.charite.de/projekte/projekte.htm

www.cms/hu-berlin.de/mlz

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