Zeitung Heute : Die Urlandschaft im Hochschwarzwald glänzt mit seiner Lage - und der Familie Thoma

Helga Storto

"Die Urlandschaft des sogenannten Hinterzartener Moores ist einmalig. Seine Entstehung ist auf die letzte Eiszeit zurückzuführen." Naturschutzwart Meinrad Zähringer, der mit interessierten Gästen gerade mal wieder einen Rundgang auf dem Moorquerweg unternimmt, erklärt sehr engagiert. "Mit einer Gesamtfläche von 70 Hektar ist dieses Naturschutzgebiet der größte Moorkomplex des Schwarzwaldes und durch seine artenreiche, aber empfindliche Pflanzen- und Tierwelt zugleich eines der besterhaltenen Moore in Mitteleuropa." Vom Holzsteg aus macht er auf verschiedene Baumarten, Heidekraut-Gewächse und Pilze aufmerksam, zeigt den Gästen die zarte Moosbeere, das rote Sumpfblutauge und den rundblättrigen Sonnentau, bekannt als "fleischfressende Pflanze".

"Luftschnapper" nannte man die ersten Sommerfrischler scherzhaft, die 1850 nach Hinterzarten kamen. Heute gehört der noble heilklimatische Kurort mit dem ländlichen Charme zu den bedeutendsten Ferienzielen im Schwarzwald. Größtes Kapital von Hinterzarten ist seine Lage: auf einer weiten Hochfläche, inmitten von lichtdurchfluteten Wäldern und blühenden Wiesen, ruhig und abseits vom Verkehr gelegen. Dreimal schon wurde das Dorf als "schönster Ort BadenWürttembergs" ausgezeichnet: Rund um die Wallfahrtskirche "Maria in der Zarten" mit ihrem mächtigen Zwiebelturm von 1734 und dem modernen, achteckigen Kirchenschiff scharen sich gepflegte Häuser, Cafés und Hotels im Schwarzwaldstil, die üppiger Blumenschmuck ziert, und allerlei Läden mit Kuckucksuhren, Kirschwässerle und Trachtenmode - was Touristen halt so erwarten. Auf den Matten ringsum thronen die typischen Schwarzwaldbauernhöfe mit ihren tief herabgezogenen Walmdächern, die nach altbewährter Weise Wohnung, Stallungen und Heuböden in einem Haus vereinen.

Zu den wöchentlich kostenlos geführten Halbtages- und Tageswanderungen, die Hinterzarten seinen Gästen bietet - darunter auch Heilkräuterwanderungen und Wanderungen mit dem Förster und dem Kreisjägermeister - gehört auch eine Bauernhof-Besichtigung. "Viele unserer Bauern", erzählt der Wanderführer, "mußten sich früher ein Zubrot als Holzschnitzer, Uhrmacher oder Löffelschmied verdienen, denn der bescheidene Erlös aus der Viehwirtschaft konnte selten die ganze Familie ernähren".

Einen Einblick in das bäuerliche Leben und das alte Schwarzwälder Handwerk gibt außerdem der "Heimatpfad Hochschwarzwald", ein Freilichtmuseum mit Werkstätten und historischen Bauten, der von Hinterzarten aus hinunter durchs Löffeltal in Richtung Höllental, abzweigend in die enge Ravennaschlucht, und von dort aufwärts bis nach Breitnau führt. Es macht auch Kindern Spaß, die zahlreichen restaurierten Objekte wie Klopfsäge, Glasbläserei, Großjockenmühle, Löffelschmiede, Seiltrieb und Walzengatter anzuschauen. Im kleinen Zollhaus beim Gasthaus "Sternen" zeigt eine Ausstellung die wechselvolle Geschichte des Höllentales als Verkehrsweg des Mittelalters. Gleich in der Nähe befindet sich auch die älteste Kirche im Hochschwarzwald, die St. Oswald-Kapelle, mit deren Einweihung 1148 die Besiedlung von Hinterzarten und Breitnau begann.

Die Wandermöglichkeiten rund um Hinterzarten sind fast unerschöpflich. Seit es den "SBG-Freizeitbus Hinterzarten" gibt, lassen viele Stammgäste ihren eigenen Wagen stehen. Er fährt auch dreimal täglich hinauf zum Wanderverteiler Rinken (1197 m), an der Nordseite des Feldbergs, von dem man in alle Himmelrichtungen losmarschieren kann, unter anderem auf dem "Emil-ThomaWeg", zum winzigen Mathisleweiher oder zum romantisch gelegenen Feldsee, zu Füßen der steil aufragenden Waldflanken des Seebucks. Im nahen Reimartihof kann man sich in der Wirtschaft mit "Bibiliskäs und Bratkartoffeln" oder "Schäufele" stärken. Vom Ospelewaldweg bietet sich ein Abstecher zum Ospelehof an, der über einen kleinen Bauernladen mit Käse, Butter, Schwarzwälder Schinken und Bauernspeck, Honig und Schnaps in eigener Herstellung verfügt.

Fast eine Tagestour ist der Weg vom Rinken hinauf zum Feldberg (1493 m) und weiter zum Seebuck (1448 m). Prachtvoll die Aussicht von hier oben, die bis zur schneebedeckten Gipfelkette der Schweizer Alpen reicht! Von da geht`s bequem abwärts mit der Sesselbahn bis zum Feldberger Hof, wo der müde Wanderer mit dem SBG-Wanderbus nach Bärental und mit direktem Bahnanschluß wieder nach Hinterzarten gelangt. Beliebtes Ziel ist auch der Hinterzartener Ortsteil Alpersbach mit seinen stattlichen alten Schwarzwaldhöfen und den gemütlichen Gasthäusern "Esche" und "Engel".

Wer das Mountain-Bike bevorzugt: Eine extra Radkarte gibt 14 Routenbeschreibungen von neun bis 57 Kilometer Länge. Für den Einstieg ideal sind die Routen zum nahen Titisee und auf die Hochfläche von Breitnau. "Radfahren mit netten Leuten in unserer schönen, abwechslungsreichen Schwarzwaldlandschaft ist für mich jedes Mal ein Erlebnis", schwärmt der Hinterzartener Georg Thoma, ehemaliger Olympiasieger und Weltmeister in der Nordischen Kombination.

Langweilig wird es in Hinterzarten, das über ein gemäßigtes Mittelgebirgs-Reizklima"verfügt, kaum jemals. Da sind noch die medizinischen Anwendungen im Kurmittelhaus, die zahlreichen Aktiv-, Kreativ- und Gesundheitspauschalen, Vorträge und Konzerte, zwei Reiterhöfe und ein umfangreiches Kinder-Programm für die Kleinen. Übrigens: 1998 wurde Hinterzarten Landessieger beim Wettbewerb "familienfreundlicher Ferienort" in Baden-Württemberg. Am 7. Und 8. August kann man die Weltelite der Skispringer beim Sommerskispringen auf der Adlerschanze" erleben. Mit dabei auch Dieter Thoma, Neffe von Georg Thoma.

"Klasse statt Masse" heißt die Devise des Kurortes. Man ist bemüht, "anspruchsvollen Gästen das Beste zu bieten". Das gilt auch für die Hotels, von denen viele in den letzten Jahren um- und angebaut haben. Stilvolle Zimmer und Suiten sind entstanden, Erlebnishallenbäder und Saunalandschaften, wie in den Hotels Reppert, Kesslermühle und Thomahof. Traditionsreichstes Haus am Platze ist das Parkhotel Adler, dessen Chronik bis ins Jahr 1446 reicht. 177O soll die österreichische Kaisertochter Marie-Antoinette auf ihrer Brautfahrt nach Paris mit 52 geschmückten Fahrzeugen dort Station gemacht haben und 1810 war MarieLouise, die spätere Gattin Napoleons, zu Gast.

Was Hinterzarten nicht hat, ist ein gemeindeeigenes Hallen- oder Freischwimmbad. Doch dafür gibt es ja den nahen Titisee, der zum Schwimmen, Surfen, Segeln und Tretbootfahren animiert. Diskos und Spielhöllen fehlen - statt dessen wird ein ruhiger Schlaf garantiert. TIPS FÜR HINTERZARTEN

Allgemeines: Hinterzarten hat 2448 Einwohner, 3100 Gästebetten, elf Hotelhallenbäder und zwölf Saunas.

Anreise: Mit der Bahn über Karlsruhe, Freiburg im Breisgau, Umsteigen nach Hinterzarten; auch direkter Interregio "IR Höllental" von Norddeich kommend.

Mit dem Pkw die Autobahn Karlsruhe- Basel bis Ausfahrt Freiburg-Mitte, von dort auf der B 31 in Richtung Donaueschingen, oder Autobahn Stuttgart-Singen, Ausfahrt Donaueschingen und auf der B 31 in Richtung Freiburg.

Aktivitäten: Tennisplatzmiete im Freien pro Stunde 10 bis 20 Mark. Gruppenreitstunde im Freien 18 Mark. Tageseintritt ins Strandbad Titisee mit Kurkarte: Erwachsene 4,50 Mark, Kinder 2,20 Mark. Mountain-Bike-Miete pro Tag 15 Mark.

Unterkunft: Übernachtung und Frühstück 20 bis 625 Mark. Halbpension 65 bis 693 Mark. Zweibettferienwohnung pro Woche 280 bis 980 Mark. Vierbettferienwohnung pro Woche 385 bis 1890 Mark.

Wanderkarten: "Auf Schusters Rappen rund um Hinterzarten", "Radkarte Hinterzarten", beide erhältlich gegen Gebühr bei der Tourist-Information Hinterzarten.

Die Freizeitkarte Allianz-Marco-Polo "Schwarzwald-Süd" Nr. 32. Baedeker-Allianz Reiseführer "Schwarzwald", Polyglott Reiseführer "Schwarzwald", Marco Polo "Schwarzwald".

Auskunft: Tourist-Information D-79854 Hinterzarten, Telefon: 076 52 / 12 06 42, Telefax: 076 52 / 12 06 49.

Internet-Adresse: http://www.hinterzarten.de ; Email: Tourist-info@hinterzarten.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben