Zeitung Heute : Die Venture-Capital-Show zeigt, was junge Leute im Internet anstellen - und womit

Markus Ehrenberg

Berlin ist der Melting pot für junge Internet-Unternehmen, sogenannte Start-ups. Genaue Zahlen über den scheinbar grenzenlos boomenden Markt kennt aber selbst die Wirtschaftsverwaltung nicht. Rund 150 Start-ups soll es in Berlin geben, 30 von ihnen sind online. 50 von ihnen haben ihren Sitz in der Chausseestraße. Aperto.de, versteigern.de, Ebay machen aus dem verkehrsreichen Pflaster die "silikonstreet" Berlins: mit 16-Stunden-Arbeitstagen und den Verkaufs-Ideen von morgen wie Internet-Führern, dicken PCs und Standleitungen.

Auch die Internet World trägt der Gründer-Euphorie Rechnung - mit einer Venture Capital Show auf der Messe, wo sich Risikokapitalgeber und junge Start-up-Unternehmer vorstellen. Ohne das Risiko-Kapital würden die Kreativen auf ihren Geschäftsideen sitzen bleiben. Einer jener Geldgeber, die sich von pfiffigen Business-Plänen überzeugen lassen, ist Frank Lichtenberg von der Frankfurter Risikokapitalgesellschaft IVC Venture Capital AG, auch bekannt als Initiator von Venture Lab, der größten Brutstätte für Internet-Start-ups in Deutschland.

Seit 1998 hat IVC 30 junge Existenzgründer mit zweistelligen Millionenbeträgen versorgt. Sechs von diesen gehen demächst an die Börse. "Worauf es ankommt, ist: Man muss eine Marktposition als erster besetzen. Der Zweite ist der erste Verlierer. Das ist der große Unterschied zum alten Markt, zu langwierigen Gründergeschichten à la Siemens und so", sagt Lichtenberg. In den 70er Jahren wagten sich die Supermarktketten in die Vororte der großen Städte. Erst Jahrzehnte später machten sie Gewinne. Heute seien Edeka & Co. von dort nicht mehr wegzudenken, genauso wie Amazon. Der Online-Buchhändler schreibt zwar nach seinem energischen Eintritt in die New Economy noch keine schwarzen Zahlen - ist aber Online-Buchhändler Nummer Eins. Und Bertelsmann schaut zu, mit BOL.

"Wer nach dem schnellen Gewinn schielt, hat bei den Start-ups nicht verloren", erklärt der Risiko-Kapitalist das Prinzip der New Economy. Wie lange das funktioniert, sei dahingestellt. In den USA gibt es bereits erste Initiativen gegen die Internet-Hysterie: "Kill the dot.coms!". Weg mit dem Start-up-Hype!

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