Zeitung Heute : Die vermutlich längste Show der Welt

Immer mehr Fernsehsender machen gemeinsame Sache in TV und Internet. Nun will es das ZDF allen zeigen

Eva Köster

Internet und Fernsehen – beide konkurrieren um ein knappes Gut: die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Für die Medienhäuser geht es darum, die angebotenen Inhalte möglichst weitgehend zu erschließen, zu bündeln und zu verteilen. Interaktives Fernsehen heißt das Zauberwort, mit dem die Sender vor allem junge Nutzer an sich binden wollen. Immer mehr Radio- und Fernsehsender bieten Programme ganz oder teilweise im Internet als Live-Streams oder auf Abruf an und lassen die Zuschauer aktiv am Sendeablauf teilnehmen.

Das ZDF, dessen Stärke nicht unbedingt ein jugendliches Image ist, hat deshalb ein ehrgeiziges Projekt ins Leben gerufen. Zusammen mit dem Sender NBC Giga will das Zweite einen neuen Weltrekord aufstellen: eine 52-Stunden-Internetshow. Der Startschuss fällt am Donnerstag um 13 Uhr beim zweiten ZDF-„iday“ auf dem Mainzer Lerchenberg. „Iday“ ist Neudeutsch und heißt frei übersetzt „Tag des Internets".

Das Konzept scheint ein Selbstgänger zu sein: jugendliche Moderatoren wie Andrea Kiewel, Kai Böcking und Viva-Star Oliver Pocher, illustre Gäste aus ZDF-Information und -Unterhaltung sowie ein Internetportal, das den eher unbedarften ZDF-Zuschauer zum Mitwirken animieren soll. Diese dürfen entscheiden, was beispielsweise der „Blond am Freitag“-Moderator Ralph Morgenstern in seiner Sendung am Freitag anziehen oder welches Lied im eigens für das Projekt eingerichteten Web-Radio gespielt wird. 26 Stunden sendet das ZDF – zunächst im hauseigenen digitalen Info-Kanal und online über www.iday.zdf.de . In der Nacht zum Freitag von 0 Uhr 50 bis 4 Uhr 50 wird dann live ins Hauptprogramm des Mainzer Senders geschaltet. Am 29. November setzt NBC Giga die gemeinsame Aktion mit „Projekt 26“, einer 26-stündigen Live-Sendung, fort.

Giga, das ist nach eigenen Angaben das „Programm der Generation @“. Fünf Stunden täglich sendet die Redaktion aus Düsseldorf für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen. Über die live ins TV-Geschehen integrierte Homepage können die Zuschauer Themen begleiten und anregen. Im Juni 2001 erhielt Giga.de für dieses Konzept den Grimme-Online-Award in der Sparte Web-TV.

Generation @ – wer möchte da nicht dabei sein? Eine Zeit lang ging es im Fernsehen nicht ohne Computersendungen. Mal einfach, wie in Rudi Carrells wenig aufregender „Suchmaschinen“-Show, bei der Prominente interessante Websites vorstellen mussten, mal aufwendig, wie im immer noch erfolgreichen WDR-Computerclub. In jüngster Zeit schienen die meisten Sender des Themas überdrüssig geworden zu sein und stellten die Versuche ein, Internet und Fernsehshow zu verbinden.

Die neu ins Leben gerufenen „Events“ wie die Internetshow bei ZDF/NBC Giga sollen die vergessene Sparte neu beleben. Dazu passt auch das öffentlich-rechtliche Comeback der Sendereihe „Neues“ auf 3sat. Dieses Format wurde relauncht. Das Magazin, das sich Themen rund um den Computer und der Telekommunikation widmet, wird live und für den Zuschauer interaktiv nutzbar präsentiert, weiter zur besten Sendezeit, um 21 Uhr 30. Ob sich die Fernsehzuschauer allerdings die halbe Nacht beim ZDF um die Ohren schlagen, um sich Internet-Inhalte anzuschauen, bleibt abzuwarten.

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