Zeitung Heute : „Die Vorgabe? Modern!“

Mit „Calandro“ heißt es in diesem Jahr „Junge Barockoper Sanssouci“ - Ein Gespräch mit der Studentin Jennifer Czarnecki, die die Kostüme entworfen hat

Ein bisschen Manga darf ruhig sein: Kostümentwurf für „Calandro“. Foto: Jennifer Czarnecki  
Ein bisschen Manga darf ruhig sein: Kostümentwurf für „Calandro“. Foto: Jennifer Czarnecki  

Frau Czarnecki, welche Oper haben Sie zuletzt gesehen?

Das war „La Traviata“ in der Komischen Oper, im vergangenen Sommer. Danach war dann nicht mehr viel Zeit dafür, denn ich hatte genug mit meinem Diplom zu tun.

Sie sind Studentin an der Internationalen Modeschule Esmod in Berlin und für Ihre Abschlussarbeit haben Sie zusammen mit Luisa Nass die Kostüme für die Oper „Calandro“ entworfen.

Ja, das kam schon überraschend. Aber das war ein Angebot, bei dem wir nicht lange überlegen mussten.

Die Opera buffa von Giovanni Alberto Ristori erzählt unter anderem von Calandro, der sich verbittert in die Natur zurückgezogen hat und dort sein Wissen nur noch einem zahmen Bären zukommen lassen will. War Ihnen diese überdrehte italienische Komödie überhaupt bekannt?

Ich glaubte, ich hätte zuerst den Namen falsch verstanden und dachte an die Oper „La Calandria“. Aber von „Calandro“ hatte ich vorher noch nie gehört.

Und dann durften Sie für diese kaum bekannte Barockoper die Kostüme entwerfen.

Ja, aber wir hatten nur eine Vorgabe: Die Kostüme sollen modern sein. Diese Inszenierung soll ja vor allem ein junges Publikum erreichen. Deshalb haben wir uns auch gegen historische Kostüme entschieden.

Und wie haben Sie Calandro und all die anderen eingekleidet?

„Calandro“ ist ja eine verrückte Oper, in der ständig Schabernack getrieben wird. Manche hier sind ja fast schon wahnsinnig, die meisten aber mindestens skurril. Das haben wir dann versucht, in den Kostümen umzusetzen.

In welcher Form?

Jedes Kostüm hat was Sukrilles, viele sind auch wandelbar. Aber sie geben immer den entsprechenden Charakter wieder. Die meisten sind modern und könnten auch im Alltag getragen werden. Wenn man die Verrücktheiten mag, wie beispielsweise verdrehte Nähte, die wir jedem Kostüm beigegeben haben. Aber wir haben auch drei typische Opernkostüme im Programm. Ganz pompös, wie man die sich vorstellt.

Und wie viele Kostüme sind es insgesamt?

Elf komplette Outfits, die oft aus mehreren Teilen bestehen. Wir haben sehr farbenfroh gearbeitet. Aber darauf geachtet, dass die Kostüme in sich stimmig bleiben. Und wir haben die unterschiedlichen Farben so ausgewählt, dass man erkennen kann, wer da auf der Bühne zusammengehört oder gar nicht miteinander kann. Das erkennt der Zuschauer zwar auch im Spiel, bei uns aber auch optisch. Am Anfang haben wir uns erst einmal intensiv mit der Handlung von „Calandro“ beschäftigt, um überhaupt zu verstehen, um was es da geht. Mit was für Charakteren haben wir es da zu tun und wie müssen wir sie uns vorstellen, wenn sie heute leben würden? Da haben wir überall recheriert. In Büchern, im Internet, auf der Straße. Was kann einen solchen Charakter am stärksten unterstützen? Manchmal war das dann ein einfacher Stift oder ein Farbklecks. So haben wir viele Moodboards gesammelt.

Moodboards?

Ja, sogenannte Stimmungsbilder, die als Grundlage für die ersten Entwürfe dienten. Und bei einigen Kostümen brauchte es dann drei bis vier solcher Entwürfe, bis wir die richtige Form gefunden hatten. Wir haben nicht nur mit Schnitten gearbeitet, sondern auch viel mit Moulage, in dem wir die Stoffe drapieren. Und dadurch entsteht zum Teil ja auch etwas Neues. Und dann denkt man plötzlich: Genau so muss es sein.

11., 12. und 13. Juni, 16 Uhr / Gartensalon am Neuen Palais (Open Air) – „Calandro“ – von Oldenburg, Szigetvári, Carlsson, Schneider, Sanner, Reich / „solistenensemble kaleidoskop“ / Olof Boman

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