Zeitung Heute : Die Wahrheit ist neben dem Platz

Robert Ide

Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich Ottmar Hitzfeld als Nachfolger von Rudi Völler. Was muss passieren, damit sich der Wunsch erfüllt?

Eigentlich ist die Sache ganz einfach. Zwei wichtige Männer telefonieren miteinander, einigen sich über ein paar Modalitäten und sagen dann ein paar anderen wichtigen Männern Bescheid. Schnell hätte Deutschland einen neuen Bundestrainer. Einen, der unsere Fußballer nach ihrem unschönen Aus bei der schönen Europameisterschaft wieder das Toreschießen lehrt. Einer, der sie angriffslustig genug macht, um in zwei Jahren im eigenen Land Weltmeister zu werden. Dieser Trainer kann, da sind sich viele Experten, Fans und Funktionäre einig, nur einer sein: Ottmar Hitzfeld. Der Mann, der Hitzfeld anrufen und den anderen Fußballmanagern als Retter vorschlagen soll, ist auch bekannt: Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball- Bundes. Das Problem ist nur: Mayer-Vorfelder will nicht so recht.

Fachlich sind sich viele Vereine einig, dass Hitzfeld ein guter Trainer ist. Zwar ist er gerade bei Bayern München entlassen worden, weil er nach einigen nationalen und europäischen Triumphen mal keinen Titel holte. Aber selbst Franz Beckenbauer, Übervater des deutschen Fußballs, der bei den Bayern Hitzfelds Ablösung betrieben hatte, hat dem Trainer nun den Segen erteilt. Auch, weil der akribische und zu sich selbst oft strenge Hitzfeld trotz der Trennung kein böses Wort über die Bayern verlor. Hitzfeld weiß, was sich öffentlich gehört. Deshalb respektieren ihn viele. Deshalb wird er sich auch nicht allzu lange von MayerVorfelder bitten lassen wollen. Sollte Hitzfeld absagen, käme ein Mann ins Spiel, den viele nicht für moralisch ballsicher halten: Christoph Daum. Der Trainer hatte den VfB Stuttgart zu Ehren geführt, doch Ende 2000 stolperte er über persönliche Verfehlungen. Daum war bereits als neuer Bundestrainer installiert, als es Gerüchte um seinen Kokainkonsum gab. Um sich zu entlasten, log er. „Ich habe ein reines Gewissen“, sagte Daum, bevor ihn eine Haarprobe der Wahrheit überführte. Die Bundesliga wandte sich verschämt von ihm ab, bis heute.

Nur einer hielt lange zu Daum: MayerVorfelder. Er war mit ihm in Stuttgart erfolgreich, er hatte ihn als Bundestrainer vorgeschlagen. Nun hat der DFB-Präsident die Trainersuche zur Chefsache gemacht, und viele Vereinsbosse argwöhnen, Mayer-Vorfelder wolle an ihnen vorbei Daum eine zweite Chance geben. Mayer-Vorfelder verwahrte sich am Montag dagegen und gab bekannt, dass er längst mit Hitzfeld verhandele: „Kontakte mit anderen Trainern, auch mit Christoph Daum, hat es weder direkt noch indirekt gegeben.“ Und so könnte Mayer-Vorfelder bald dem DFB-Präsidium den richtigen wichtigen Mann als Retter vorschlagen – den Mann, den sich viele Deutsche als Rudi Völlers Nachfolger wünschen. Sollte es aber noch anders kommen, so raunen manche Vereinsbosse, ist Mayer-Vorfelder bald kein wichtiger Mann mehr.

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