DIE WEINE DES MONATS : DIE WEINE DES MONATS

TOSKANA

Junger Chianti bester Herkunft

Der Chianti ist einer der ältesten und größeten Rotweine der Welt, der toskanische Wein schlechthin – und gleichzeitig ein diskreditiertes Massenprodukt. Zwar sind die Zeiten der großen Bastflaschen mit ihrem fragwürdigen Inhalt vorbei, aber immer noch reicht das Angebot vom untrinkbaren Billigwein bis zur preislich fragwürdigen Luxusabfüllung. Am sichersten ist es, sich an die großen Namen zu halten, und einer der größten ist Barone Ricasoli, eine Familie, die seit 1141 das Castello di Brolio bewohnt. Bettino Ricasoli hat im 19.Jahrhundert das Geschmacksbild des Chianti maßgeblich geprägt. Nach einer eher unglücklichen Periode in australischem Besitz und nach langem Streit mit Aktionären führt Francesco Ricasoli das Gut heute wieder allein und erzeugt Weine, die die Tradition erfolgreich fortführen. Der von uns ausgewählte 2009 Chianti Barone Ricasoli zeigt klares, selbstbewusstes Profil jenseits aller Stildiskussionen: Da sind die floralen Noten von Veilchen und Iris, da sind am Gaumen die pfeffrigen und würzigen Aromen, da ist das feine Fruchtspiel, die elegante Säure – und alles fügt sich zu einem harmonischen Gesamtbild. Die Flasche kostet 8,95 Euro in den fünf Geschäften des Weinladens Schmidt, www.weinladen.com.

PLA DE BAGES

Satter Merlot aus Nordspanien

Fast ebenso alt wie das Castello di Brolio ist die Burg „Oller de Mas“ im kleinen nordspanischen Anbaugebiet Pla de Bages, südlich von Andorra hinter den Pyrenäen. Die Familie Margenat als Eigentümer ist allerdings noch relativ jung, was der Qualität der Weine keinen Abbruch tut. Sie kultiviert neben regionalen Rebsorten wie der Sumoll vor allem international gefragte rote Trauben wie Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot, die ihre typischen Aromen auf den sandigen Böden in rund 400 Meter Höhe voll ausbilden können. Unter dem Namen „Bernard Oller“ hat das modern ausgerüstete Weingut einen reinsortigen Merlot auf den Markt gebracht, der mit dem Jahrgang 2006 jetzt auf dem Höhepunkt angelangt ist. Das vollreife Lesegut schlägt sich in üppig ausladenden Aromen – Rumtopf, Beerenfrüchte – nieder, die schöne Frucht wird von lebhafter Säure gestützt, und somit wirkt der Wein trotz seiner Fülle recht elegant. Dekantieren erhöht den Genuss! Verdiente Auszeichnung: Gold bei der Berliner Weintrophy 2009. Der 2006 Bernard Oller von Oller de Mas kostet 16 Euro bei Wein und Jazz in der Wrangelstr.64 und beim Weinhandel im Willy-Brandt-Haus in der Stresemannstr. 28, beide in Kreuzberg. Bernd Matthies

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