Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Bernd Matthies

ITALIEN

Moderner Rotwein für die aufgeklärte Toskana-Fraktion

Das Getöse um die „Supertuscans“ hat sich längst gelegt. Denn was einst wie ein Befreiungsschlag wirkte und die in der Tradition dümpelnden toskanischen Winzer in die önologische Neuzeit katapultierte, ist heute ein Teil der Normalität, wenn nicht sogar leicht vergessen. Denn überteuerte Weinikonen à la Sassicaia lagern zäh in den Regalen von Handel und Gastronomie, und der Trend geht längst wieder in Richtung aufgeklärter Tradition. Dem Weinfreund kann das egal sein, denn er hat heute die freie Wahl und findet in der Region fruchtig-herbe Chianti klassischen Stils ebenso wie hypermoderne, mit Holz und Marmeladengeschmack prall gefüllte Designerweine.

Auf La Brancaia im Herzen des Chianti Classico gehen Barbara und Martin Kronenberg-Widmer mit Unterstützung des Önologen Carlo Ferrini seit mehr als 20 Jahren einen goldenen Mittelweg. Sie vinifizieren sowohl traditionelle Chianti als auch Weine eher internationalen Stils, die eine Brücke zwischen der Sangiovese-Rebe und den französischen Klassikern wie Cabernet Sauvignon und Merlot bauen. Der 2005 Brancaia TRE ist aus diesen drei Rebsorten entstanden, allerdings dominiert die Sangiovese, wodurch der Wein fest auf dem Boden der Toskana steht. Der lange Winter des Jahres 2005 verzögerte das Wachstum der Trauben und führte somit zu geringen Erträgen, die aber durchweg von herausragender Qualität waren.

Deshalb ist der „Tre“ ein dichter, opulenter Wein, der nach Veilchen, dunklen Beeren und sanft vanilligem Holz duftet und den Gaumen mit einer reichen Aromenpalette auskleidet. Die Flasche wird zum Februar-Sonderpreis von 12,95 Euro (statt 13,95) in allen Filialen des Weinladens Schmidt (www.weinladen.com,Tel. 789073-0) angeboten.

FRANKREICH

Authentischer Syrah/Grenache von den Hängen des Luberon

Das südliche Frankreich ist ein unerschöpfliches Reservoir für bezahlbare, profunde Rotweine, die dem Ideal des von mediterranen Aromen geprägten Geschmacksbildes entsprechen. doch es dauerte lange, bis die Winzer endlich von der Produktion belangloser Massenware Abstand nahmen und sich auf die perfekten Voraussetzungen besannen, die ihnen Boden und Klima bieten. Eines dieser vielen Anbaugebiete sind die Cotes du Luberon, die Hänge unter der wilden Gebirgslandschaft des Luberon - eine Gegend, die für viele Frankreich-Fans der Inbegriff der authentischen Provence ist. Cellier du Marrenon ist der Name einer dort angesiedelten großen Winzergenossenschaft, die seit 1966 besteht – ein Zusammenschluss von 4000 Winzern, die mehr als 15000 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Das ist riesig. Doch längst hat man auch in diesen Großbetrieben begriffen, dass der Weg zum Erfolg über den sorgfältigen Ausbau individueller, regionaltypischer Weine führt: Jeder Önologe ist nur für einen einzigen Wein zuständig und kann ihm so seinen persönlichen Stempel aufdrücken.

Der 2004 Grand Marrenon Cotes du Luberon ist ein solcher Wein, traditionell aus den Sorten Syrah (80 Prozent) und Grenache Noir bestehend. Er wurde im neuen, vollklimatisierten Barrique-Keller ausgebaut und präsentiert sich nun bereits in schöner Trinkreife mit verführerisch anmutenden Beerenaromen, Nuancen von Kirschen, Zimt und einer dezenten Holznote. Am Gaumen fallen die seidigen Tannine besonders angenehm auf, die den Wein jetzt sanft und trinkbar erscheinen lassen, aber auch für eine weitere Lagerfähigkeit von mindestens fünf Jahren stehen. Die Flasche kostet 7,50 Euro und ist bei Nix wie Wein in der Kopenhagener Straße 6 in Prenzlauer Berg zu haben. Bernd Matthies

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