Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Bernd Matthies

BORDEAUX

Starke Konkurrenz für die teuren Stars vom anderen Ufer

Die roten Bordeaux-Weine haben den Stand der „Etikettentrinker“ begründet. Das sind jene Leute, die alles trinken, sofern auf dem Etikett nur der Name eines berühmten Chateaus steht, vorzugsweise verbunden mit dem Begriff „premier cru“. Deren Menge ist bekanntlich nicht vermehrbar, und deshalb steigen die Preise unaufhörlich. Glücklicherweise gibt es Randgebiete in Bordeaux, die keine großen Namen aufbieten können und statt mit steigenden Preisen mit bemerkenswert steigender Qualität punkten. Eines dieser Gebiete sind die Cotes de Bourg am rechten Ufer der Gironde, wo schon Wein angebaut wurde, als das Medoc gegenüber noch nicht einmal trockengelegt war. Wer klassische Bordeaux günstig einkaufen will, der ist hier richtig, zumal, wenn er sich an den Namen Chateau La Tuilière hält. Philippe Estournet, Pilot, Weltenbummler, Ingenieur, ist hier seit 15 Jahren sesshaft und produziert Rotweine, die auf die Medaillen der führenden Fachmessen abonniert sind. Der 2003 Chateau La Tuilière Les Armories ist ein solcher Wein, ein kraftvoller, perfekt gemachter Bordeaux aus einem exzellenten Jahr, der jetzt bereits ausgezeichnet trinkreif ist und mit einem überbordenden Duft von roten Früchten ebenso begeistert wie mit sanften, nachhaltigen Tanninen am Gaumen, saftig, aber elegant und nicht marmeladig. Er dürfte noch auf viele Jahre einige berühmte Konkurrenten mit großen Etiketten hinter sich lassen. Die Flasche kostet sehr günstige 13,90 Euro im Mövenpick-Weinkeller in der Forckenbeckstr. 9–13 in Wilmersdorf.

NAHE

Ausdrucksstarker Riesling aus historischen Lagen

Die Nahe ist ein Mauerblümchen des deutschen Weinbaus. Denn ihre Weinberge liegen in der Mitte zwischen den touristisch viel interessanteren Regionen Mosel, Rheingau und Rheinhessen. Deshalb tun sich auch erfahrene Weinkenner oft schwer, den dort wachsenden Rieslingen einen eigenen Charakter zuzuerkenne. Doch es ist umgekehrt gerade die große Stärke der Nahe, dass die Winzer dort so ausgewogene, würzig mineralische Weine keltern können, die oft für den goldenen Mittelweg stehen, zumal, wenn sie aus einer der großen Lagen kommen. Solche Lagen, 14 Hektar insgesamt, gehören zum Gutshof des Odernheimer Klosters Disibodenberg. Der lange brachliegende, historisch bedeutende Besitz wurde 2003 von dem Ex-Banker Matthias Adams saniert. Zusammen mit seiner Frau Luise Freifrau von Racknitz, einer ausgebildeten Önologin, schaffte er es rasch, den Namen des Weinguts Von Racknitz in der Weinszene zu etablieren. Auch im schwierigen Jahr 2006 gelangen weitgehend reintönige, ausdrucksstarke Weine, die nicht nur die jahrgangstypischen Honignoten und eine merkliche Fruchtsüße zeigen, sondern auch mit üppigen Fruchtaromen und lebendiger Säure überzeugen. Der Nahe-Riesling Q.b.A von Racknitz kostet 7,50 Euro in der Weinhandlung Hardy, Thielallee 33, Dahlem. Bernd Matthies

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