Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Bernd Matthies

PIEMONT

Zwei-Gläser-Dolcetto aus dem Gebiet Monferrato

Großer Star im Piemont ist die Rebsorte Nebbiolo, aus der die beiden großen B-Weine - Barbaresco und Barolo - gemacht werden. Einen fast genau so guten Ruf besitzt die Barbera, das dritte große B. Wesentlich weniger Aufmerksamkeit entfällt auf die rote Dolcetto, die früher reift und deshalb meist in den weniger guten Lagen angepflanzt wird. Doch Dolcetto-Weine sind auch früher trinkreif, und sie können also früher auf den Markt gebracht werden, was sich für die Winzer auszahlt. Die Dolcetto ist die wichtigste Rebe in Castelleto d´Orba im Monferrato, wo die Weinhändlerfamilie Tacchino schon lange gut 10 Hektar Weinberge mit der weißen Cortese sowie Dolcetto und Barbera besitzt; erst vor einigen Jahren begann Luigi Tacchino, Flaschen aus eigener Produktion zu verkaufen.

Er hat die Verantwortung jüngst an seine Kinder Romina und Alessio übergeben, was noch einmal zu einem Zuwachs an Ehrgeiz und Qualität führte. Unser 2006 Dolcetto di Ovada zeigt dies exemplarisch: Obwohl eigentlich ein Basiswein des Guts, stellt er die Vorzüge der Sorte prägnant heraus: opulenten Kirsch- und Brombeerduft, weiches Tannin, satte Frucht, hohen Extrakt. Der Wein ist bereits jetzt auf dem Höhepunkt, wird aber auch noch ein paar Jahre in dieser Form überdauern. Die angestrebte Verbindung von Tradition und moderner Kellertechnik darf als gelungen gelten - für diese Behauptung gibt es übrigens Rückendeckung vom Weinführer Gambero rosso, der diesen Wein mit zwei Gläsern auszeichnete. Die Flasche kostet 13,90 Euro im Mercato Uno in der Markthalle Tegel, Gorkistr.13-17.

ARGENTINIEN

Satter Schluck Rotwein zum Superpreis

Der schlafende Riese der Weinwelt schreckt ab und zu hoch - und legt sich dann wieder zur Ruhe. Diesen Eindruck wird Argentinien, immerhin das viertgrößte Erzeugerland der Erde, nicht los, wenn es um Qualität und Exporterfolge geht. Denn seine Weine liegen im internationalen Ansehen konstant hinter dem kleineren, aber wirtschaftlich besser aufgestellten Chile zurück. Aus Argentinien kommt immer noch viel belanglose Containerware, die erst in Europa abgefüllt wird.

Dabei mangelt es nicht an Anstrengungen der Argentinier und ausländischer Investoren, Besseres zu produzieren. Die Provinz San Juan, nicht weit con der chilenischen Grenze entfernt, gilt neben Mendoza als bestes Anbaugebiet des Landes. Die Gegend ist sehr heiß und trocken, außerhalb der wenigen Oasenregionen geradezu wüstenartig. Ohne Bewässerung wäre Weinbau hier undenkbar, doch es gibt genug Flüsse, die Wasser spenden. Die traditionsreiche Antigua Bodega ist ein Großunternehmen, das jährlich mehr als fünf Millionen Liter Wein produziert und doch erst 2008 mit dem Export nach Europa begonnen hat: In Berlin betreibt man sogar einen Vertrieb und eine Kunstgalerie. All das ermöglicht es, gute Weine zu bemerkenswert günstigen Preis anzubieten. Unser Malbec 2007 aus der Region San Juan repräsentiert die guten Eigenschaften dieser für das Land typischen Rebsorte: dichtes Rubinrot, ausgeprägte Aromen von schwarzen Johannisbeeren und exotischen Gewürzen. Kraft und Struktur stehen in harmonischer Balance, ein satter Schluck Wein. Ach, und der Preis: Vino fino am Salzufer 16 in Charlottenburg verkauft die Flasche gegenwärtig zum Einführungspreis von 4,99 Euro. Bernd Matthies

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