Zeitung Heute : Die Weine des Monats

Bernd Matthies

Die Schweiz wird ihre Mauerblümchenrolle im europäischen Weingeschäft einfach nicht los. Deshalb wird leicht übersehen, dass die in aller Welt sichtbare Rückbesinnung auf örtliche Rebsorten vor allem im Wallis ein dankbares Forschungsrevier fände. Eine dieser raren Reben ist die Petite Arvine, die ganz unverwechselbare Weißweine hervorbringt - konzentrierte Weine, die in der Nase an Ananas und Grapefruit, auf der Zunge auch ein wenig an Sherry erinnern, gerade wegen der typischen salzigen Note im Abgang. Sie erschließen sich jung, können aber über Jahrzehnte ohne Einbußen altern wie kaum ein anderer trockener Weißwein, eine Folge der harten Bedingungen in den steilen und steinigen Rebgärten oberhalb der Rhone, die zu knappen Erträgen und hohen Konzentrationen von Mineralstoffen führen. Der 1998er La Murgère Petite Arvine stammt von solchen Steilhängen im Dorf Fully, wo Claudine und Yvon Roduit ein kleines Weingut betreiben. Zum Essen ist dieser Wein ein wenig heikel, denn zuviel Säure bringt ihn aus dem Gleichgewicht. Zu Kaviar, Hummer oder Gänseleberterrinen passt er dagegen ausgezeichnet, zu Blauschimmelkäse geradezu perfekt. Die Flasche kostet 39,90 DM beim Weinimport Hans-Günter Zeidler in Alt-Lankwitz 91.

Während komplizierte Reben wie die Petite Arvine seltene Spezialitäten bleiben, treten andere ehemalige Raritäten, vor allem Rotweine, einen Siegeszug um die ganze Welt an. Im Falle der Syrah, die in Übersee Shiraz heißt, liegt das zum Teil daran, dass sie bei entsprechender Behandlung jene gefürchtete Trinkmarmelade ergibt, die mit Hilfe vieler Parker-Punkte höchste Verkaufspreise verspricht. Der 2000er Shiraz von Wakefield aus dem australischen Clare Valley orientiert sich mit seiner Eleganz an anderen Vorbildern; er verströmt ein üppiges, nicht aufdringliches Bukett von Minze, Zimt, Schokolade und Lakritz, verfügt über viel weiches Tannin und stützende Säure für ein langes Leben. Das 800-Hektar-Weingut heißt eigentlich Taylor, doch dieser Name war in Europa schon von einer Portweinfirma besetzt. So wurde die Marke Wakefield eingeführt, und Dick Darnoc bearbeitete seit 1992 von Berlin aus den europäischen Markt. Darnoc starb im Juli dieses Jahres - die Weine gibt es weiterhin bei Wakefield Wines in der Rungestraße 17 in Mitte. Der Shiraz kostet 28 Mark.

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