Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

Das Jahresende naht, und der Bedarf an spritzigen Getränken steigt. Champagnerlaune? Die heben wir uns fürs nächste Jahr auf, wenn die Konjunktur wieder brummt – und bescheiden uns vorerst mit Cava, dem spanischen, nach Champagnermethode hergestellten Schaumwein. Die traditionellen spanischen Rebsorten wie Macabeo, Xarello und Parellada geben ihm einen ganz eigenen Charakter. Unser Cava Gran Claustro vom Castillo Perelada kommt aus dem kleinen, kaum bekannten Anbaugebiet Ampurdan-Costa Brava am Mittelmeer südlich der französischen Grenze. Er hat noch einen kleinen Schuss Chardonnay und damit einen Hauch französische Eleganz abbekommen und legt Ehre ein für die Cavas. Elegant, komplex, cremig, lang anhaltend, ist er ein idealer Aperitif für größere Anlässe und ein ebenso idealer Begleiter beim Jahreswechsel. Die Flasche kostet 15,95 € beim Rioja-Weinspezialisten , Akazienstraße 13, Reichenhaller Str.1 und Savignyplatz 3.

Das war eben noch vertrautes Terrain für Weinfreunde, jetzt wird es exotisch: Roter Petit Shiraz aus Mexiko. Dieses Land dürften auch sehr erfahrene Weinfans kaum auf dem Schirm haben, zumal die Mexikaner selbst kaum Wein trinken. Doch klimatisch unterscheiden sich die Verhältnisse im Norden des Landes, auf der Halbinsel Baja California südlich von Tijuana, kaum von Kalifornien. Es musste ein italienischer Einwanderer kommen, Luigi Angelo Cetto, der nach der Reblauskatastrophe Ende des 19.Jahrhunderts das Potenzial der Gegend erkannte und neue Reben setzte. Daraus ist das Großunternehmen L.A.Cetto geworden, das über tausend Hektar Rebfläche vor allem im Guadalupe-Tal bewirtschaftet. Dort stehen Nebbiolo, Cabernet und vor allem die nur in Amerika heimische Petite Sirah, die trotz ihres Namens nichts mit der Syrah zu tun hat. Hier wird Qualität produziert: Handlese, schonende Pressung, sechs Monate Reifung in Barriques und noch einmal sechs Monate Flaschenlager sind die technischen Parameter des animierend fruchtigen 2001er L.A.Cetto Petite Sirah. Samtige, reife Tannine, in der Nase ein Hauch Vanille, Zimt und Nelken - das ist ein feinwürziger Begleiter für südlich akzentuierte Fleischgerichte, der auch solo bestens dasteht und seinen Preis wert ist: 7,90 € kostet die Flasche bei Vino-Fino , Salzufer 16 in Charlottenburg.

Wie steht´s mit dem Riesling? Der 2003er liegt noch viel beraunt in den Fässern, doch das ist kein Grund, die wunderbaren 2002er liegen zu lassen. Ein Erzeuger, der mit einem mutigen Konzept von sich reden macht, ist Martin Tesch von der Nahe. Er hat getan, was die meisten deutschen Winzer gern tun würden, und sein ausuferndes Programm radikal gestutzt. Neben ein paar Literweinen gibt es ab 2002 nur noch den trockenen Gutsriesling „Unplugged“, im Jahrgang 2001 hier schon vorgestellt, und fünf ebenso trockene Spätlesen aus fünf Spitzenlagen in Langenlonsheim und Laubenheim. Halbtrockene und süße Rieslinge müssen die Stammkunden jetzt woanders kaufen; man ahnt, dass Tesch einige Kämpfe durchzustehen hatte. Siegreich! Alle Spätlesen wurden gleichzeitig geerntet und gleich vinifiziert, aus ihnen spricht also das Terroir, und es lohnt sich, zuzuhören. Die Wahl fällt schwer: der Laubenheimer Karthäuser dürfte in seiner perfekten Balance aus Frucht, Mineralität und Substanz beispielhaft für die Möglichkeiten des Nahe-Rieslings sein. Aber warum überhaupt entscheiden? Ein Probierpaket mit allen fünf Spätlesen und dem „Unplugged“ kostet 50 €, bei Hardys im We inhaus Huth am Potsdamer Platz, wo die Flaschen für 10,50 € auch einzeln zu haben sind. Doch warum die Chance auf eine aufschlussreiche Querverkostung verpassen? Die Tesch-Weine gibt es zum gleichen Einzelpreis auch im KaDeWe , das Probierpaket allerdings nicht.

Nun ein Riesling, den Tesch nicht mehr hat, ein süßer. Obwohl „süß“ keineswegs der dominierende Eindruck ist, den der 2002er Erdener Prälat Riesling Auslese vom Weingut Mönchhof Robert Eymael hinterlässt. Denn die rassige Säure balanciert diesen opulenten, extraktreichen Wein perfekt aus, der somit die Vorzüge der berühmten Lage auf den Punkt bringt. Gerade an der Mittelmosel konnten geduldige Winzer hoch im Oktober 2002 Trauben einbringen, die an die legendären Jahre 1971 und 1975 erinnerten. Der Mönchhof-Prälat quillt über von Maracuja- und Orangen-Aromen, gleitet seidig-mineralisch am Gaumen vorüber und verabschiedet sich in ein fast endloses Finale; lassen Sie ihn die nächsten Jahre einfach liegen. Nein? Dann trinken Sie ihn einfach zur mit Äpfeln gefüllten Gans - ein perfektes Team, das nie den Drang nach Rotwein aufkommen lässt. Die Flasche kostet 23 € bei Rogacki , Wilmersdorfer Str.145 in Charlottenburg und bei Weine und Spezialitäten, Hohenzollerndamm 143 in Wilmersdorf.

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