Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

COTEAUX DE LANGUEDOC

Zwei san fte Rote aus enger Nachbarschaft

Noch vor etwa zwei Jahrzehnten hatte kein Weinkenner die Roten aus dem Südwesten Frankreichs auf der Rechnung. Im Halbkreis nördlich des Mittelmeers zwischen Narbonne und Nimes wurden raue Landweine erzeugt, die die Region nur selten verließen und selbst in Paris kaum noch auf Interesse stießen, im Ausland erst recht nicht. Doch als sich erste ehrgeizige Winzer ernsthaft um Qualität bemühten, zogen die politisch Verantwortlichen mit und schafften die rechtlichen Voraussetzungen für die Herkunftsbezeichnung „Coteaux de Languedoc“, die Basis einer wahren Qualitätsexplosion, die sich ganz überwiegend auf die regionalen Rebsorten wie Syrah, Grenache, Carignan und Mourvedre stützt.

Übersichtlicher ist die Lage deshalb nicht geworden. Denn zu dieser Appellation gehören allein zwölf so genannte Klimazonen, die zusätzlich auf den Etiketten auftauchen, außerdem gibt es noch die drei Unter-Appellationen Faugères, Saint-Chinian und Clairette, was die Klarheit nicht erhöht. Sei´ s drum: Unsere beiden Weine des Monats sollen diesmal zeigen, wie verschieden zwei Weine aus enger Nachbarschaft ausfallen können, wie deutlich sie ihre unterschiedlichen geographischen und klimatischen Voraussetzungen, das „Terroir“, wiederspiegeln.

Die „Domaine Terre Megere“ gehört zum Bereich „Grès de Montpellier“. Der Besitzer Michel Moreau ist einer der Pioniere, die dort Mitte der Achtziger Jahre als erste Weine mit Charakter und Ausdruck erzeugten. Seine Reben stehen in einer karstigen Heidelandschaft auf Schiefer- und Lehmböden; sie müssen tief wurzeln und kommen deshalb nur auf geringe, der Qualität förderliche Erträge. Sein 2002er Les Dolomies , eine Cuvée aus Syrah, Grenache und Mourvèdre, besticht durch schön intensives Rot mit bläulichen Reflexen, in der Nase durch wunderbare Nuancen von roten Früchten wie Himbeeren und schwarzen Johannisbeeren und Gewürztöne; am Gaumen erinnert er auch an die Kräuter der Region, an Leder und Lorbeer. die Flasche kostet 9,65 Euro bei Vinum in der Danckelmannstraße in Charlottenburg.

20 Kilometer weiter nördlich im Kalksteinmassiv Pic Saint Loup, befindet sich das Chateau de Cazeneuve von André Leenhardt. Die Kalkböden bringen Weine anderen Charakters hervor, etwas diskreter, mineralischer, eher floral und kräuterig als fruchtbetont. Dabei sind sie ebenso finessenreich und regionaltypisch wie die des Nachbarn. Leenhardt greift in seinem 2002 Les Calcaires ebenfalls auf eine Mischung von Syrah und Mourvedre zurück, gibt aber statt der Grenache etwa zehn Prozent Carignan hinzu.

Der Ausbau, der je zur Hälfte in Barriquefässern und großen Fässern erfolgt, bringt einen deutlichen, aber nicht dominierenden Holzton, der diesen Wein ebenfalls merklich vom „Les Dolomies“ unterscheidet. Qualitativ nehmen beide sich nichts – neugierige Weinfreunde sollten die Gelegenheit auf jeden Fall nutzen, beide gegeneinander zu verkosten und zu einem eigenen Urteil zu kommen.Der Aufwand hält sich in Grenzen, denn auch den „Les Calcaires“ gibt es in Charlottenburg: Für 10,80 Euro bei Wein & Malt in der Mommsenstraße 32.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben