Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

BEAUJOLAIS

Ehrenrettung für eine verrufene Weinbauregion

Kaum eine Herkunftsbezeichnung verschreckt Weinkenner so sehr wie Beaujolais. Die dortigen Großabfüller haben es geschafft, mit ihrem brutal auf Trinkreife geschminkten „Primeur“ den Ruf der ganzen Appellation zu ruinieren. Nach dem Abschwellen der Welle stehen sie nun dumm da, und die seriösen Erzeuger gleich mit. Denn längst ist außerhalb der Region auch die Erkenntnis verlorengegangen, dass zumindest die besten Weine des Beaujolais, die zehn so genannten Crus, von hervorragender Qualität sein können – und das keinesfalls nur vor Silvester. Im Gegenteil: Gerade die Weine des Cru „Moulin à Vent“, die auf manganhaltigem Granitboden wachsen, sind lagerfähig und können es nach Jahren mit vielen Burgundern aufnehmen. Ein solcher 2003 Moulin à Vent kommt von der Domaine Les Fines Graves in Romaneche-Thorins, wo man die Schlacht um hohe Erträge und schnelle Trinkreife nie mitgemacht hat. Dieser besonders gelungene Rotwein aus der traditionellen Gamay-Traube ist tief rubinrot, hat ein solides Alkohol-Rückgrat, erinnert im Duft an Iris, Rosen und dunkle Früchte – nicht falsch fürs Osterlamm. Die Flasche kostet 10,50 Euro bei Viniculture in der Grolmanstraße 44-45 in Charlottenburg.

PIEMONT

Dichter Roter aus einer unterschätzten Rebsorte

Piemonteser Wein - das ist eine Zweiklassengesellschaft. Oben Barolo und Barbaresco, berühmt und kaum bezahlbar, unten der Barbera, der als simpler, säurebetonter Alltagswein gilt. Erst durch den konsequenten Ausbau in kleinen Barrique-Fässern, der sich seit etwa 15 Jahren durchgesetzt hat, kann die Rebsorte nun zeigen, was in ihr steckt, denn das Eichenholz rundet die Säure und gleicht den Tanninmangel aus. Gehen zudem Winzer an die Sache heran, die sorgfältig auf geringen Ertrag und sorgfältige Traubenverarbeitung achten, kann etwas Großes daraus werden. Der 2001er Suculé Barbera d´Alba, der von der Familie Martini auf dem Weingut Villa Lanata erzeugt wird, ist ein höchst gelungener Wein, der jetzt seine optimale Trinkreife erreicht, aber auch noch zehn Jahre lagern kann. eine üppige Fruchtbombe, dicht und konzentriert, aber nicht ohne Eleganz, mit viel dunklen Früchten und ein wenig Veilchen in der Nase, im Mund mit üppigen Anklängen an Früchte, Vanille, Kaffee und Kakao. Zu haben ist dieser Wein für sehr günstige 9,90 Euro bei Baumgart&Braun in der Wörther Straße 21 in Prenzlauer Berg und in Abbés Weinladen in der Ringstraße 10a in Lichterfelde.

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