Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

CHILE

Alte Rotweinrebe aus Bordeaux macht in Südamerika Karriere

Chile ist eines der klimatisch am meisten begünstigten Weinbauländer der Welt. Obwohl sehr weit südlich, werden die Weinberge durch den kühlen Humboldtstrom und kalte Nachtluft aus den Anden vor Überhitzung geschützt, und der große Gegensatz zwischen Tag- und Nachttemperaturen begünstigt die Klarheit des Fruchtgeschmacks. Zudem hat die Reblaus nie Fuß gefasst, und so gibt es viele alte, wurzelechte Reben, und neue Stecklinge können ohne resistente Unterlagen einfach in den Boden gesteckt werden. Französische Einwanderer haben im späten 19.Jahrhundert Reben und Fachkenntnisse mitgebracht; einer von ihnen war Guillaume Bouchon, der sich 1892 am Maule-Fluss, dem südlichsten Anbaugebiet des Landes, niederließ und eine Bodega gründete, die heute noch immer im Familienbesitz ist. Julio Bouchon jr. setzt ganz auf sortenreinen Ausbau und rebtypischen Charakter. Eine wichtige Rolle spielt dabei die einst in Bordeaux weit verbreitete rote Carmenère, die in Chile lange als Merlot verkannt wurde, heute aber zu den Zugpferden des dortigen Weinexports gehört. Sie vereint den Charme des Merlot mit der Struktur des Cabernet Sauvignon und ist deshalb früh trinkbar, aber auch beachtlich lagerfähig. Der 2004 Carmenère Reserva Especial von Bouchon zeigt diese Qualitäten mit Dichte, fast süßlicher, weicher Frucht und wunderbaren Aromen von Brombeeren und schwarzen Kirschen Früchten mit gekonnt dosiertem, nicht dominantem Holz. Die Flasche kostet 15,50 Euro bei Divinelounge in der Kieler Straße 4 in Steglitz.

PENEDES

Eleganter spanischer Schaumwein mit ganz eigener Note

Zwar sind die typischen Sekt- und Champagner-Tage soeben an uns vorbei gezogen, doch damit muss der Spaß am Schaumwein ja nicht zu Ende sein. Denn er ist, wie man in anderen Ländern längst weiß, durchaus ein flexibler Essensbegleiter, vor allem dann, wenn er nicht nur in Richtung Prickel und Säurefrische ausgebaut wurde und Zeit zur Reifung hatte. In Spanien kennt man sich damit aus – das weiß man auch in Deutschland, wo der Begriff „Cava“ für gehobenen spanischen Sekt sich nach dem EU-Beitritt des Landes rasch etablierte. Dennoch ist weitgehend unbekannt, welches Qualitätsniveau diese Schaumweine erreichen können, gewissermaßen auf Augenhöhe mit guten Champagnern. Neben den großen Kellereien machen zunehmend ein paar Familienbetriebe mit solchen Abfüllungen auf sich aufmerksam; einer davon ist Giró Ribot in Santa Fe im Herzen der Region Penedes, zwischen Tarragona und Barcelona. Der 2001 Giró Ribot Cava Gran Reserva Mare ist eines der Spitzenprodukte des Betriebs, eine Cuvée aus Xarello, Macabeo und Parellada, die mit ihren Aromen von frisch gebackenem Hefebrot und weißen Blüten stark an gute Champagner erinnert, am Gaumen mit sanfter Firne und buttrig-nussigem Abgang aber auch einen ganz eigenen, spanischen Charakter offenbart. Die wunderbar seidige Cremigkeit ist auf das lange Flaschenlager von mehr als drei Jahren zurückzuführen. Das ist natürlich ein guter Aperitif, aber vor allem auch ein selbstbewusster Begleiter edler Fische und Meeresfrüchte. Die Flasche ist für sehr angemessene 14 Euro in den beiden Geschäften von Vinos y Tapas in der Drakestraße 21 in Lichterfelde und der Rheinstraße 60 ín Friedenau zu haben.

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