Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

PIEMONT

Der weltläufige kleine Bruder des großen Barolo

Im Piemont ist nach der Winterolympiade wieder Ruhe eingekehrt, und das ist den Winzern der Region sicher nicht unrecht. Sie lassen sich nicht von kurzfristigen Moden leiten, sondern denken in langen Zeiträumen und haben vor allem mit dem Barolo eine bedeutende (und teure) Marke geschaffen. Die Rebsorte Barbera, die diesen Wein bestimmt, verträgt sich aber auch mit anderen Reben, zum Beispiel mit Cabernet und Merlot, die jeweils zu 10 Prozent in unserem 2004 Anima Monferrato des Weinguts Accornero stecken. Ein Piemonteser, der seinen regionalen Charakter nicht verleugnet, sich aber doch von Anfang an zugänglicher und aufgeschlossener präsentiert als seine berühmten Brüder. Im ausladenden Bukett erkannt man die Aromen von schwarzen Waldbeeren und Pflaumen, dazu einen Hauch von Schokolade und feuchtem Waldboden; der jugendliche Geschmack zeigt sich schon gerundet und zum Trinken animierend. Kann lange lagern, muss aber nicht. Am wenigsten an Barolo erinnert der Preis: Die Flasche ist für 9,90 Euro im Weinhaus Obermeyer in der Hundekehlestraße 11 in Schmargendorf zu haben.

VALDOBBIADENE

Prosecco für Leute, die gern guten Wein trinken

Nicht wenige Weintrinker, die bei ihrem Lieblings-Italiener „Due Prosecci!“ bestellen, glauben, sie hätten damit gewissermaßen „zwei Sekt“ geordert. Das aber ist ein Missverständnis, denn der in Deutschland so sehr geliebte Pizzeria-Champagner heißt einfach nach der Rebsorte, aus der er gemacht wird. Prosecco-Reben gibt es praktisch nur droben im Veneto, wo ihre besondere Eignung für schäumende Weine schon lange bekannt ist. In Deutschland besonders gefragt ist der nur mild perlende „Frizzante“, der rechtlich nicht als Sekt gilt und damit auch nicht der Sektsteuer unterliegt, Die meisten dieser Abfüllungen sind belanglos prickelnde Erfrischungsgetränke, nur wenige machen auch Weinkennern Freude. Hier ist einer: Der Prosecco di Valdobbiadene frizzante von La Riva di Frati . Tradition und Moderne Technik werden auf diesem Gut hier gekonnt vereint, und so entstand köstlich nach weißen Blüten duftender Prosecco, der auch auf der Zunge mit exotischen Fruchtanklängen und Mineralität überzeugt – ein Aperitif, der auch zum Essen passt. Die Flasche kostet 6,50 Euro bei Paasburgs Wein aus Leidenschaft , Fidicinstr.3 in Kreuzberg.

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