Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

PIEMONT

Großer Lagen-Barolo aus einem

sehr guten Jahrgang

Nimmt man nur die Qualität als Maßstab, so schlägt das Herz des italienischen Weins in Piemont. Barolo und Barbaresco, die Essenzen aus der Nebbiolo-Traube, haben fast schon mythischen Charakter; dem Barolo, den schon das Herrscherhaus von Savoyen liebte und förderte, hängt der umsatz- und preistreibende Slogan „König der Weine und Wein der Könige“ an. Der nasse, verhagelte Jahrgang 2002, der jetzt auf dem Markt dominieren müsste, hat die Laune der Erzeuger aber nicht gehoben – viele mussten ihren Barolo abwerten und als Nebbiolo auf den Markt bringen. Um so mehr lohnt es sich, nach den Spitzen-Barolos des Superjahrgangs 2001 zu suchen, die jetzt auf einem ersten Höhepunkt angelangt sind. Einer dieser Weine ist der 2001 Barolo Vigneto Arborina von Mauro Veglio , einem jungen Weinmacher, der vor sechs Jahren in einer Art Blitzkarriere zum ersten Mal in den Adel der Drei-Gläser-Winzer des Gambero Rosso aufgenommen wurde und dieses Prädikat auch für diesen Wein erringen konnte.

Veglio arbeitet auf seinem relativ kleinen Familienbetrieb in La Morra nach den Regeln, die alle Qualitätsfanatiker beherzigen: Geringe Erträge, extrem sorgfältige Handlese, schonende Kelterung. Der Arborino zeigt sich zunächst verschlossen, explodiert aber nach kurzer Zeit an der Luft – unbedingt dekantieren! – mit einem üppigen Bukett, von Trockenblumen, Veilchen und trockenen Früchten, zeigt dann auch Anklänge von Teer und Leder. Reife, aber deutlich spürbare Tannine und ein mächtiges Alkoholrückgrat stützen den balsamischen Geschmack, der in ein langes Finale mündet. Ein großer Wein, der seinen hohen Preis wert ist: Die Flasche kostet 35 Euro beim Weinhandel im Willy-Brandt-Haus, Stresemannstr.28, Kreuzberg, und bei Planet Wein , Mohrenstr.30 in Mitte.

PORTUGAL/RIBATEJO

Feinnerviger Roter zwischen Tradition und Moderne

Ähnlich wie ihre spanischen Kollegen eine Dekade zuvor drängen in den letzten Jahren immer mehr portugiesische Winzer mit neuen Rotweinen auf den Markt, deren genaue Herkunft nur Insider kennen. Eine solche Herkunft ist Ribatejo, die Region zu beiden Seiten des Tejo, landeinwärts von Lissabon. Dort dominieren Gemüseanbau, Korkeichen und Viehzucht; der Weinbau hat zwar ebenfalls lange Tradition, aber der Ribatejo-Wein wurde meist von Genossenschaftskellern in Fünf-Liter-Ballons gefüllt oder verschwand in den hochwertigen, aber ohne Herkunftsbezeichung verkauften Garrafeiras.

Heute geben dort junge, weltläufige Winzer wie Diogo de Bragança Campilho den Ton an, ein 25-jähriger Önologe, der nach drei Jahren Arbeit in Australien das mehr als 120 Jahre alte Familienweingut Quinta da Lagoalva entschlossen ins 21.Jahrhundert geführt hat. Bei den Neupflanzungen achtete er auf eine ausgewogene Mischung traditioneller portugiesischer und internationaler Rebsorten und kann nun jene eigenständigen und doch modernen Rotweine anbieten, die der Weltmarkt immer noch dringlich verlangt.

Sein 2003 Monte da Casta Tinto besteht aus den Sorten Castelão Frances und Touriga Nacional, ergänzt um einen kleinen Anteil Pinot Noir. Das ergibt einen profunden, feinsinnigen, erdig mineralischen Wein, der in der Nase an dunkle Beeren und Kräuter wie Thymian und Koriander erinnert und den Gaumen mit samtigen Tanninen einhüllt. Die Aura des Großen, die den Barolo (siehe linke Spalte) umhüllt, geht ihm gewiss ab. Aber dafür punktet er souverän mit einem um Größenordnungen niedrigeren Preis: Die Flasche ist gegenwärtig zum befristeten Sonderpreis von 4,99 Euro in allen Karstadt - und Wertheim -Kaufhäusern in Berlin zu haben.

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