Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

BORDEAUX

Weinaperitif mit besten Grüßen von Ian Fleming

James-Bond-Archäologen wissen: Das mit dem trockenen Martini ist nicht einfach. Gin, Wodka, okay, aber dann schreibt Ian Fleming noch einen Teil „Kina Lillet“ vor. Sehr speziell, sehr snobistisch. Landläufige Barkeeper begnügten sich mit trockenen Wermut, und die Firma Lillet verschwand in der Versenkung. Aber halt: Mit dem sachten Rückenwind der Bond-Filme hat sich der Produzent Bruno Borie, ansässig in den Weinbergen der Graves-Region irgendwie aus dem Sumpf gezogen und seinen Lillet von nahe Null wieder zu einer kleinen Macht auf dem Markt der Aperitive gemacht. Die herbe Variante „Kina Lillet“ gibt es zwar nicht mehr, aber auch der Lillet blanc vermittelt mehr als nur einen Hauch des echten Fleming-Gefühls. Er basiert auf einer sorgfältig gekelterten weißen Bordeaux-Cuvee aus den Rebsorten Semillon und Sauvignon blanc, ergänzt um 15 Prozent Fruchtlikör, hergestellt aus Kaltauszügen frischer Früchte in Alkohol. Die fertige Mixtur lagert noch 12 Monate in Eichenfässern und wird dann abgefüllt. Das Ergebnis ist ein goldgelbes, nach kandierten Zitrusfrüchten, Minze, Honig und Harz duftendes Getränk mit angenehm herbem Nachklang, das keinesfalls auf die Rolle des Martini-Gehilfen reduziert werden sollte. Denn es passt – gut gekühlt – perfekt zu Gänseleber oder Blauschimmelkäse, und schmeckt pur als Auftakt eines frühlingshaften Menüs. Die Flasche kostet 12,50 Euro bei Entrepot du Vin in der Fasanenstraße 42 in Wilmersdorf.

DEUTSCHLAND

Prickelnder Perlwein zum Gleich-zugreifen-Preis

Da können sich die Weinfreaks nun empören, wie sie wollen: Die in Deutschland verkaufte Weinflasche kostet durchschnittlich knapp drei Euro. Viel Qualität kann dafür nicht geboten werden, doch ab und an immerhin eine echte Überraschung. Wie der Sittmann Secco weiß , ein nach dem Vorbild des Prosecco frizzante mit Kohlensäurezusatz hergestellter Perlwein deutscher Herkunft, der mit angenehmem Zitrusduft, Mineralität und harmonischem Zusammenspiel von Säure und Restsüße gefällt. Ein erfrischender, unkomplizierter Begleiter für die ersten Freiluftparties, der mit 10,5 Prozent Alkohol nicht übermäßig belastet – und noch weniger mit dem Preis von 3,25 Euro, der bei Abnahme von sechs Flaschen sogar auf 2,85 Euro sinkt. Es gibt ihn bei Multiwein in der Chausseestraße 128/129 in Mitte, einem auf Weineinsteiger konzentrierten Geschäft, das auch eine interessante „Riechbar“ als Einkaufshilfe anbietet.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar