Zeitung Heute : DIE WEINE DES MONATS

Peter Scheib

VENETIEN

Klassische italienische Rebsorten in einer eindrucksvollen Cuvée

Der Bianco di Custoza gilt als norditalienischer Allerweltsweißwein schlechthin. Dass er am Südrand des Gardasees erzeugt wird, ist allenfalls Kennern der Region bekannt; dass er durchaus sehr gehobene Qualität erreichen kann, weiß praktisch niemand. Möglicherweise ändert sich das durch die Umbenennung der Appellation in „Custoza DOC“, die seit dem Jahrgang 2006 gilt. Treibende Kraft hinter diesem Schritt war Carlo Nerrozzi, der Besitzer der Kellerei Le Vigne di San Pietro . Er pflegt die klassischen weißen Reben der Region - Trebbiano, Garganega Tocai, Cortese - aber auch verschiedene rote Sorten. Sein 2006 Custoza ist eine Weißweincuvée, die bis 2005 als Bianco di Custoza auf den Markt gekommmen wäre, ein subtiler Wein, der nicht nur vielfältige Aromatik mitbringt, sondern auch durch Konzentration und mineralische Komponenten besticht, die man bei dieser Herkunft nicht erwarten würde. Er duftet nach frischem Laub und weißen Blüten, zeigt am Gaumen Anklänge an Äpfel und Birnen und aromatische Kräuterkomponenten im Abgang - Ergebnis eines klaren Konzepts und ausgereifter, moderner Kellertechnik. Zweifellos ein Sommer- und „Spargelwein“ par excellence, aber doch viel besser, als diese immer etwas abfällig klingenden Bezeichnungen suggerieren. Die Flasche kostet moderate 6,90 Euro bei Cavatappi-Les Caves in der Hedwigstraße 10 in Friedenau sowie bei Sonnenreich - Weine am Arnimplatz , Seelower Str.6 in Prenzlauer Berg.

WÜRTTEMBERG

Ein „Roigschmeckda“ setzt sich durch im Ländle

Die Tendenz im internationalen Weinbau läuft grundsätzlich eher gegen die internationalen Reben. Ausnahme: Die Sauvignon blanc, einst nur an der Loire wirklich verbreitet und populär, breitet sich immer weiter aus. Ähnlich wie der Chardonnay ist sie ein Chamäleon, das sich vielfältigen Bedingungen anpasst, behauptet aber den eigenen Charakter unter günstigen Bedingungen viel besser. Deshalb versuchen auch immer mehr deutsche Winzer auf derzeit rund 200 Hektar Fläche ihr Glück mit der kapriziösen Rebe, und die Nachfrage nimmt beständig zu. Im Remstal vor den Toren Stuttgarts gilt sie zwar als verdächtiger „Roigschmeckda“, aber die Bedingungen stimmen, und deshalb hat Martin Konzmann, der Kellermeister der Winzergenossenschaft Remstal , viel Erfolg mit der Rebe, wie unser 2005 Sauvignon blanc zeigt: Moderne Kellertechnik und önologisches Wissen erbringen unter seinen Händen einen eigenständigen Typ, der elegant zwischen der strengen Mineralität der Loire-Weine und der Wucht und Breite der Übersee-Sauvignons balanciert. Grüne Paprika, frisches Gras, Kiwi, Mirabelle und Stachelbeere dominieren in der Nase, die Zunge registriert aber auch eine deutliche Opulenz, die sich in einem stämmigen Alkoholgehalt niederschlägt. Dieser Wein wirkt zwar mit seiner Frische und feinen Säurestruktur nicht fett, sondern durchaus sommertauglich; er sollte aber doch nicht in erster Linie gegen den Durst getrunken werden. Die Flasche kostet 9,95 Euro bei Int ernationale Spirituosen und Weine in der Martin-Luther–Str. 34 in Schöneberg.

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