Zeitung Heute : Die Welt der Keime

-

Der Mensch ist nie allein. Überall da, wo er mit der Außenwelt in Kontakt kommt, auf der Haut und in den Schleimhäuten, siedeln Bakterien. Insgesamt beherbergt der Mensch etwa 100 Billionen Bewohner. Die normale Bakterienflora bildet ein wichtiges Schutzschild gegen fremde Erreger. So haben es Neuankömmlinge schwer, noch einen Platz für sich zu behaupten.

Unerwünschte Besiedlungen lassen sich auch durch bestimmte Umweltbedingungen verhindern. Ein saures Milieu wie das der Haut stößt vielen ortsfremden Bakterien auf. Sie verzichten auf Kolonisierung. Verantwortlich für die Aufrechterhaltung des Säureschutzes ist die Hautflora. Denn sie liefert die notwendigen Säuren. Wer seine eigenen Bakterien durch übertriebende Hygiene oder eine Antibiotikabehandlung dezimiert oder überfordet, schafft den richtigen Platz für eine Erkrankung. Hefepilze oder pathogene Bakterien erobern das freie Terrain.

Aber selbst Krankheitserreger tragen zur Gesundheit bei. Kinder mit wenig Kontakt zu fremden Keimen erleiden häufiger Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis und andere allergische Krankheiten. Je mehr sich in den letzten Jahrzehnten die hygienischen Verhältnisse in den Haushalten verbesserten, desto stärker breiteten sich Allergien aus. Anders herum hat sich gezeigt: Je früher Kinder unter andere Kinder kommen, desto besser. Wer bereits zwischen sechs und elf Monaten eine Tagesstätte besucht, zeigt später die geringste Neigung zu allergischen Reaktionen. So haben Kinder, die erst mit zwei Jahren in den Kindergarten kommen, bereits ein 2,7fach höheres Risiko allergische Symptome auszubilden.

BAKTERIOLOGIE

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!