Zeitung Heute : Die Welt der Wissenschaft erkunden

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DER INFORMATIKER

Informatik ist eine sehr abstrakte Wissenschaft. Deshalb wollte ich unbedingt am Robocup-Projekt der Humboldt-Universität mitwirken. Es verbindet die Informatik mit der realen Welt. Roboterhunde spielen gegeneinander Fußball. Sie sind nicht ferngesteuert, sondern bewegen sich selbstständig, ohne menschliches Einwirken. Ihre Spielstärke, die künstliche Intelligenz, hängt von der Programmierung ab. Ich schreibe die Software, damit die Roboter wissen, wo sie auf dem Feld gerade sind und wo Ball und Gegner stecken. Über eine Kamera im Kopf nimmt der Roboter Farben in seiner Umgebung wahr und berechnet dadurch die Situation auf dem Spielfeld. 2004 und 2005 sind wir Weltmeister geworden. 2006 findet wieder eine WM statt: in Deutschland – wo sonst?

Michael Spranger, 26, studiert Informatik. Er forscht am Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz. Dort hat er bereits einige wissenschaftliche Arbeiten über Softwaremodellierung veröffentlicht.

DIE GEOGRAPHIN

Wo in Berlin treffen sich die Wichtigen und Reichen, um zu entscheiden, was in der Stadt passiert? In einem Forschungsprojekt am Institut für Sozialgeographie bin ich dem mit zwei Kommilitonen auf den Grund gegangen. In einschlägigen Magazinen und Netzwerkführern ermittelten wir die Orte, an denen sich die Berliner Führungselite aufhält. Die meisten wohnen im Südwesten und arbeiten in Mitte. Viele Entscheidungen koordinieren sie in Clubs, in die man nur auf Empfehlung oder mit großem Geldbeutel kommt – und die in Charlottenburg oder Wilmersdorf liegen. Um herauszufinden, was dort besprochen wird, führten wir Interviews mit Lobbyisten. Aus unseren Ergebnissen ist ein Netzwerkatlas entstanden, der veröffentlicht wurde.

Katja Becker, 26, studiert Geographie und Französisch. Den von ihr entworfenen Netzwerkatlas findet man unter: www.geographie.hu-berlin.de/forschung/arbeitsberichte/a110.pdf

DER CHEMIKER

Im vergangenen Frühjahr stand ich in Adlershof lange vor dem Plakat der Forschungsgruppe „Theoretische Chemie“. Nach einem Gespräch mit der leitenden Professorin Vlasta Bonacic-Koutecký war mir klar: Ich wollte mitforschen. Es klappte. Jetzt berechne ich die Absorptionsspektren von Metallaggregaten, die an Aminosäuren gebunden sind, so genannte Cluster. Das hat vor uns noch niemand untersucht. In Zukunft könnten Biosensoren eine Anwendung dafür sein. Ein Biosensor kann beispielsweise helfen, Veränderungen des Erbgutes oder Krankheitserreger nachzuweisen. Das Spannendste ist die Zusammenarbeit mit der Universität Lyon. Dort kontrollieren befreundete Wissenschaftler unsere theoretisch gewonnen Ergebnisse in Laborexperimenten. Meistens stimmt, was wir vorher berechnet haben. Ein gutes Gefühl.

Jens Petersen, 22, studiert Chemie. Momentan untersucht er die Eigenschaften von Komplexen aus Biomolekülen und Silberclustern.

DIE HISTORIKERIN

Sich mitten im Sommer im Universitätsarchiv zu vergraben, kann richtig Spaß machen. Schließlich wollten wir am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte eine Ausstellung über die Wiedereröffnung der Berliner Universität nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Beine stellen. Dafür wälzte ich Akten, die häufig nicht gebunden waren und auseinander fielen. 90 Prozent waren zwar irrelevant. Das zu lesen, erzeugt aber eine ganz andere Stimmung als das normale Studieren in der Bibliothek: Wenn man etwas Verwertbares findet, ist das ein echtes Erfolgserlebnis. Gleichzeitig habe ich überlegt, wie man unsere Texte bebildern kann und dafür verschiedene Bildarchive kontaktiert. Es war wunderbar, etwas zu veröffentlichen und nicht nur für die Schublade zu schreiben.

Silke Jagodowski, 28, studiert Geschichte. Sie beteiligte sich an der Ausstellung „Studieren in Trümmern“, die im Januar und Februar 2006 an der HU gezeigt wurde.

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