Zeitung Heute : Die Welt der WM-Blogs

An Blogs scheiden sich die Geister. Die einen halten sie für virtuelle Stammtische, die anderen für seriöse Informationsquellen. Die Wahrheit liegt wohl ungefähr in der Mitte, wie auch unsere Reise durch die WM-Blogs erweist. Ein weltweiter Überblick.

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The blog is round. Auch die internationale Presse lässt die Menschheit via Blog an der WM teilhaben. Besonders die Bürger der Vereinigten Staaten leiden ja bisweilen an massivem Informationsdefizit, und so haben es sich die Sportredakteure der „New York Times“ und des „Internationale Herald Tribune“ zur Aufgabe gemacht, haarklein und vollkommen subjektiv vom weltgrößten Fußballfest zu berichten – und tun dies auch. Ein schöner Blog, umfangreich und niveauvoll.

worldcup.blogs.nytimes.com

Fans der englischen Nationalmannschaft in den USA sind wegen der dürftigen Vorstellung ihrer Lieblinge auf Schaum. Zwar seien die Anstoßzeiten in Germany immer noch besser als bei der WM in Südkorea und Japan, aber die Herren sollten nicht vergessen, dass auch sechs Uhr morgens immer noch eine verdammt frühe Zeit sei. Paraguays Leistung relativiere sich dadurch, dass für die Südamerikaner ja ebenfalls irgendwie noch sechs Uhr morgens sei, aber zu entschuldigen sei eigentlich nichts. Und neunzig Minuten darauf zu warten, dass endlich der Koffeinschock einsetze, sei einfach kein Spaß.

blog.seattlepi.nwsource.com

In England selbst kabbeln die Fans sich mit ihren Gruppengegnern. Die Skandinavier unken, die Engländer hätten die Tendenz, „bereits nach sechzig Minuten auf dem Platz zu sterben“. Ihre Mannschaft dagegen würde stärker, je länger ein Spiel dauere. Das finden die Fans auf der Insel zum Brüllen, ebenso wie die Feststellung des schwedischen Buchhalters, ihre Abrechnungsformulare seien hübscher als die englischen. Sie kontern mit der Feststellung, ein David Beckham brauche den Vergleich mit schwedischen Frauen nicht zu fürchten.

england.worldcupblog.org

Die Österreicher sind nicht dabei. Umso mehr Zeit haben die Jungs, sich mit der WM auseinander zu setzen. Wobei sich die Informationen während des laufenden Turniers bisher auf persönliche Spielberichte beschränken – das kann aber im Wust der öffentlichen Meinungsveröffentlichung bisweilen auch sehr erholsam sein.

fussball-manager.at/blog

Goethe war gut, aber was das Goethe-Institut mit seinem WM-Blog auf die Beine gestellt hat, ist auch nicht schlecht. Autoren aus allen 32 Teilnehmerländern, in erster Linie Schriftsteller und Journalisten, setzen sich nicht nur mit dem Fußballgeschehen in Deutschland auseinander, sondern schildern den Lesern gleichzeitig die Bedeutung des Fußballs in ihrer Heimat.

wmblog.goethe.de

Dort findet sich auch eine Episode über das Hoffen und Bangen eines kleinen Fans. Der neunjährige Brendan Cullen litt mit der Elfenbeinküste. Um dem Spiel gegen Argentinien noch die entscheidende Wende zu verleihen, schlug er vor, doch bitte endlich Thierry Henry einzuwechseln. Den Einwand, Henry spiele aber für Frankreich, ließ er nicht gelten. Das könne nicht sein, konstatierte er, schließlich spreche Henry doch Französisch wie die Bewohner der Elfenbeinküste auch. Eine Logik, der man sich nur schwer entziehen kann.

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