Zeitung Heute : Die Welt feiert mit Südafrika

19. Fußball-Weltmeisterschaft eröffnet / Nelson Mandela bleibt Zeremonie wegen eines Trauerfalls fern

1580 Künstler und Komparsen waren an der Eröffnungsfeier beteiligt. Foto: dpa
1580 Künstler und Komparsen waren an der Eröffnungsfeier beteiligt. Foto: dpaFoto: dpa

Mit einem ausgelassenen Fest ist am Freitagnachmittag die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent eröffnet worden. „Die Zeit ist gekommen. Es ist die WM Afrikas.“ Mit diesen Worten gab Südafrikas Präsident Jacob Zuma wenige Minuten vor dem Eröffnungsspiel des Gastgebers gegen Mexiko den offiziellen Startschuss für die 19. Fußball-WM. Unter dem Jubel der 85 000 Fans im Stadion von Johannesburg überbrachte Zuma Grüße von Nelson Mandela, der seine Teilnahme wegen des Unfalltodes seiner 13 Jahre alten Urenkelin Zenani kurzfristig abgesagt hatte. „Ich habe eine Botschaft von unserer Ikone: Das Spiel muss beginnen. Alle sollen Freude haben“, rief Zuma.

Das Auftaktspiel zwischen Südafrika und Mexiko endete 1:1. Das südafrikanische Team Bafana Bafana wurde trotzdem im ganzen Land gefeiert. Viele Fans gaben mit ihren Vuvuzelas einen Vorgeschmack auf den bis zum Finale am 11. Juli an gleicher Stelle herrschenden WM-Sound. 32 Mannschaften spielen in den nächsten vier Wochen um den Titel. Die deutsche Mannschaft bestreitet ihr erstes Spiel am Sonntag um 20.30 Uhr gegen Australien.

Zu Beginn der Zeremonie kurz nach 14 Uhr blieben im Stadion noch viele Plätze leer, weil im Umfeld ein riesiges Verkehrschaos herrschte. Erst während der 40-minütigen Show, die in mehr als 200 Länder übertragen wurde, wurde es voller. An den Stadioneingängen herrschten strenge Personenkontrollen, in der Stadt patrouillierten zehntausende Polizisten, die nahezu jede Straßenecke besetzten. Bei einem großen Fanfest in Kapstadt am Vortag hatten sich chaotische Szenen abgespielt, weil deutlich mehr Menschen als vorgesehen zu der Party kamen. Es gab drei Verletzte.

Die Eröffnungsfeier unter dem Motto „Welcome the world home“ war aufgeladen mit Symbolik. Immer wieder wurden die Brauntöne gezeigt, in denen auch das Dach des Stadions gedeckt ist. Sie stehen für die Skala der Hautpigmentierung der südafrikanischen Bevölkerung. Außerdem sollte mit vielen Künstlern aus Afrika an die Wiege der Menschheit auf dem Kontinent erinnert werden. Der US-Sänger R. Kelly und die Grammy-Gewinner des „Soweto Ghospel Choir“ intonierten die offizielle WM-Hymne „Sign of Victory“. In dem Stadion am Rande von Johannesburg war Südafrika 1996 der Sieg beim Afrika-Cup gelungen, Nelson Mandela hatte 1990 nach seiner Freilassung zu mehr als 100 000 Menschen gesprochen.

Auf den Rängen saßen Mexikaner mit buntem Azteken-Kopfschmuck neben Deutschen mit schwarz-rot-goldenen Fan-Hüten oder Afrikanern mit den typischen Basotho-Strohhüten. Für ein besonderes Bild sorgte Friedensnobelpreisträger und Erzbischof Desmond Tutu, der ausgelassen auf der Ehrentribüne tanzte – ganz in Gelb und mit dem Fanschal der südafrikanischen Nationalmannschaft Bafana Bafana.

Überall auf der Welt wurden Fan-Feste organisiert. Auch in Südafrika gab es Partys im gesamten Land. Im Johannesburger Ortsteil Newtown gab es drei Verletzte, die im Gedränge zu Boden gegangen waren. In Deutschland ließen es die Fans bei schwülwarmer Witterung eher langsam angehen. Das Auftaktspiel Südafrika gegen Mexiko sahen auf dem Olympischen Platz in Berlin nach Angaben einer Sprecherin „um die 1000 Menschen“. Die insgesamt etwa 2000 Schauplätze in Deutschland wurden spärlich besucht. Laut Polizei gab es keine Probleme wegen der umstrittenen und häufig schon im Vorfeld verbotenen Vuvuzelas. Zahlreiche der ohrenbetäubenden Blasgeräte mussten allerdings eingesammelt werden. Seite 12 und Meinungsseite

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