Zeitung Heute : Die Welt kauft gern in Deutschland ein

Hoher Ölpreis und starker Euro schaden der Exportwirtschaft nicht / Boom bei Umwelttechnologien

Carsten Brönstrup

Berlin - Trotz des teuren Öls und des hohen Euro-Dollar-Kurses läuft der deutsche Export so gut wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Im April haben die Firmen Waren im Wert von 89,8 Milliarden Euro ins Ausland verkauft, das waren 13,9 Prozent mehr als vor einem Jahr, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Die teure Energie wird für die Wirtschaft aber zu einer immer stärkeren Belastung.

Die besten Geschäfte machten die Unternehmen mit Ländern außerhalb Europas – der Verkauf legte um 18,4 Prozent zu, während die Ausfuhr in die Eurozone um 10,8 Prozent wuchs. „Die deutsche Wirtschaft ist international sehr gut aufgestellt“, sagte Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. Der hohe Ölpreis habe dem Export bislang offenbar mehr genutzt als geschadet. Jetzt kämen „die Wettbewerbsvorteile zum Tragen, die sich die deutschen Unternehmen in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Umwelttechnologien erarbeitet haben“, befand er. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, erklärte die guten Zahlen auch mit der hohen Nachfrage aus aufstrebenden Schwellenländern. „In Ländern wie China und Indien hat das Wachstum gerade erst begonnen.“ Dort profitiere die deutsche Wirtschaft vom guten Ruf ihrer technisch anspruchsvollen Produkte.

Deutschland profitiert damit stärker von der Globalisierung als andere Industrieländer. Während die Bundesrepublik ihren Anteil am weltweiten Exportmarkt in den vergangenen 15 Jahren bei neun Prozent stabil halten konnte, verloren die übrigen G-7-Staaten Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, USA und Japan Marktanteile. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Gleichwohl empfinden viele Firmen die hohen Preise für Öl, Benzin und Gas mittlerweile als Bedrohung. In einer Umfrage des Industrieverbands BDI gaben die befragten Firmen an, dies dämpfe ihre Zukunftserwartungen momentan am stärksten. In der vergangenen Woche war der Preis für ein Fass Öl auf den Rekordwert von 139,12 Dollar geschnellt. Am Montag beruhigte sich die Lage etwas, ein Barrel (159 Liter) wurde in New York für knapp 136 Dollar gehandelt. „Der hohe Ölpreis versalzt uns die Konjunktursuppe“, urteilte Deka-Bank-Ökonom Kater. Die verfügbaren Einkommen der Haushalte wüchsen dadurch in diesem Jahr nur noch um ein Prozent – statt wie erwartet um zwei. Deshalb bleibe die Inlandsnachfrage schwach. Wegen der guten Konjunktur im Frühjahr erwartet er dennoch ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent im gesamten Jahr.

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