Zeitung Heute : Die Welt trauert um Opfer von Newtown

Amokläufer tötet 20 Kinder und sechs Erwachsene in Grundschule / Obama ruft Nation zu Solidarität auf.

Erschüttert. Barack Obama. Foto: AFP
Erschüttert. Barack Obama. Foto: AFPFoto: AFP

Der Amoklauf an einer Grundschule in den USA mit 27 Toten hat weltweit Bestürzung und eine neue Debatte über die Verbreitung von Schusswaffen ausgelöst. Präsident Barack Obama rief am Samstag alle Mitbürger zur Solidarität mit den Angehörigen der Opfer auf und forderte Konsequenzen, nannte aber keine Details. Die Motive des 20-jährigen Täters, der am Freitag in der Schule 20 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren und sechs Erwachsene getötet hatte, blieben vorerst unklar.

„Nichts kann ein totes Kind oder einen Angehörigen ersetzen, doch wir können denen die Hand reichen, die es brauchen“, sagte Obama in seiner wöchentlichen Radioansprache. Am Vorabend hatte er bei einer Rede mit den Tränen kämpfen müssen und das Gefühl vieler Landsleute getroffen, als er sagte: „Unsere Herzen sind gebrochen.“ Obama forderte, Konsequenzen aus der Tat zu ziehen, ging jedoch nicht ins Detail. Waffengegner fordern ihn seit langem auf, gegen die Verbreitung von Schusswaffen vorzugehen.

Polizeisprecher Paul Vance sagte am Samstag in Newtown, in der Nacht seien in der Sandy-Hook-Schule alle Opfer identifiziert und fortgebracht worden. In zwei Schulräumen wurden die Leichen von 18 Kindern entdeckt, zwei weitere wurden im Krankenhaus für tot erklärt. Auch sechs Erwachsene, darunter die Rektorin, wurden erschossen, bevor sich der Täter offenbar selbst das Leben nahm. Ersten Ermittlungen zufolge sei der Todesschütze, anders als zunächst berichtet, nicht freiwillig in die Schule hereingelassen worden, sondern habe seinen Zugang erzwungen. Er soll ganz in Schwarz gekleidet gewesen sein und eine kugelsichere Weste getragen haben. Die Grundschule hatte Berichten zufolge erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingerichtet.

Der Schütze wurde als der 20-jährige Adam Lanza identifiziert. Die Polizei hatte ihn zunächst für seinen 24-jährigen Bruder Ryan gehalten. Dieser wurde laut Medien von der Polizei befragt. Berichten zufolge wurde in einem Haus von Newtown eine weitere Leiche gefunden. Bei diesem 28. Todesopfer soll es sich um die Mutter des Schützen handeln. Sie unterrichtete neueren Angaben zufolge nicht an der Schule. Ihr Sohn erschoss sie vor dem Amoklauf zu Hause. Die Kleinstadt Newtown liegt gut hundert Kilometer nordöstlich von New York im Südwesten des Staats Connecticut.

Papst Benedikt XVI. sandte ein Kondolenzschreiben an die Gemeinde von Newtown, das bei einem Gottesdienst vorgetragen wurde. Darin bezeichnete er den Amoklauf als „sinnlose Tragödie“. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte in einem Beileidsschreiben an den Gouverneur von Connecticut, Dan Malloy, sein Mitgefühl. Kinder ins Visier zu nehmen, sei „abscheulich und undenkbar“. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte: „Die Nachrichten aus Newtown machen mich tieftraurig. Wieder einmal stehen wir voller Entsetzen vor einer Tat, die wir nicht begreifen können.“ Großbritanniens Königin Elizabeth II. zeigte sich „tief geschockt“ und betroffen. „Insbesondere die Nachricht, dass so viele der Opfer Kinder sind“, habe sie „traurig“ gemacht, schrieb sie an Obama. mit AFP/dpa

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