Zeitung Heute : Die Welt verändern

Britta Wauer

Wie ein Ost-Berliner die Stadt erleben kann

Als ich meine Ausbildung begann, hatte ich romantische Vorstellungen vom investigativen Journalismus. Gleich meine erste Geschichte war bitter. Ich recherchierte im Rotlichtmilieu und traf den Sohn eines Spielhallenbesitzers. Er sollte mir die Machenschaften seiner Branche verraten, was er aber nicht tat. Statt dessen erstellte er mir ein Horoskop. Astrologie war seine Leidenschaft. Ich verriet ihm meinen Geburtstag nur, weil ich hoffte, er würde mir dann ein Interview geben. Aber alles, was ich mit nach Hause nahm, war ein Entwurf meines künftigen Lebensweges. Ein Punkt darin beunruhigte mich besonders: Ich hätte das Zeug zu einem „Guru“.

Seither warte ich darauf, dass was passiert. Eine Sekte habe ich noch nicht gegründet, und die meisten Menschen hören nicht auf mich, aber das könnte sich mit diesem Artikel ändern: Ich habe ein Buch entdeckt, es hat nur wenig Text, große Bilder, ein paar Aufkleber und Plakate. Es liest sich schnell und es ist komisch. Aber es ist kein Kinderbuch. Es geht um nichts weniger, als die Rettung der Welt: 50 Ideen, wie die Änderung alter Gewohnheiten unser Leben verbessert.

Es beginnt mit der 51. Idee. Das liegt daran, dass es sich um die Fortsetzung von „Einfach die Welt verändern“ handelt. Das zweite Buch befasst sich mit Veränderungen „im Job“. Es sind simple Vorschläge, frech formuliert, zum Beispiel: Sammle weniger Flugmeilen, („eine Flugreise verursacht zehn Mal mehr CO2 als die Bahn“), stattdessen könne man telefonieren und Videokonferenzen abhalten. Wer seinem Meilenstatus hinterher trauert, für den gibt’s Trost: „Vielleicht gibt es irgendwann Bonusprogramme für Videokonferenzen“!

Solche Vorschläge können in zehn Jahren albern klingen – oder selbstverständlich. Unter „Drucke und kopiere beidseitig“ steht: „Die Erfinder des Grammophons hatten die Idee, ihre Platten beidseitig zu bespielen schon 1880. Wenn das mal keine Visionäre waren!“

„Einfach die Welt verändern im Job“ für 9,90 EUR (im Buchladen um die Ecke)

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