Zeitung Heute : Die Welt verstehen

Fremdsprachenkenntnisse werden im Job immer wichtiger. Englisch ist selbstverständlich – und jede weitere Sprache ein Pluspunkt

Silke Zorn

„I look not back, I look in front.“ Diese frohe Botschaft verkündete ein Herr aus Deutschland an seinem ersten Arbeitstag in New York den neuen Kollegen und Vorgesetzten. Sehr gut, ein Optimist, werden die sich gedacht haben, aber an seinem Englisch müssen wir dringend arbeiten! Das deutsche Sprachtalent hieß Lothar Matthäus, sein Brötchengeber in spe war der Fußballclub New York Metrostars. Doch nicht nur im internationalen Fußball sind Fremdsprachenkenntnisse von Nutzen. In fast allen Berufen helfen Sprachen beim Erklimmen der Karriereleiter – oder sind sogar zwingende Einstellungsvoraussetzung.

„Englisch ist und bleibt die wichtigste Fremdsprache, im Job ein absolutes Muss“, sagt Martyn Pickup. Der gebürtige Brite ist beim Berliner Pharmakonzern Schering für die Aus- und Weiterbildung verantwortlich, Schwerpunkt Sprachen. Außerdem ist er im Vorstand des Erfahrungsaustauschrings Fremdsprachen Wirtschaft (Erfa Wirtschaft), einem Zusammenschluss von rund 100 Unternehmen, die sich auf regelmäßigen Konferenzen über Trainingsmethoden, Bildungsmanagement und Praxis in der betrieblichen Fremdsprachenqualifizierung austauschen.

Wie wichtig Englisch in einem international agierenden Unternehmen ist, erlebt Pickup tagtäglich. E-Mail-Verkehr und Telefonate mit ausländischen Geschäftspartnern laufen auf Englisch ab. Und international geforscht wird selbstverständlich auch in der Weltsprache Nummer eins. In einigen Abteilungen ist Englisch sogar die tägliche Umgangssprache, weil der Abteilungsleiter aus dem Ausland kommt.

Keine Frage – jede weitere Fremdsprache ist im Lebenslauf ein dicker Pluspunkt. Bestimmte Sprachen, die auf dem Arbeitsmarkt besonders hoch im Kurs stehen, gibt es laut Martyn Pickup aber nicht: „Je nachdem, ob sich eine Firma beispielsweise nach Osteuropa, Amerika oder Asien orientiert, sind bei Bewerbern auch ganz unterschiedliche Sprachkenntnisse gefragt.“ Besonders interessant ist für viele aber sicher die spanische Sprache. Denn, so Pickup: „Mit Spanisch kommt man in ganz Mittel- und Südamerika weiter.“ Viele größere Firmen fördern ihre Mitarbeiter darüber hinaus individuell, zum Beispiel vor Auslandseinsätzen. „Dann muss man schon mal in Windeseile einen Indonesisch-Lehrer auftreiben oder einen Portugiesisch-Kurs organisieren“, berichtet Pickup.

Wer nicht das Glück hat, Vokabeln auf Kosten des Arbeitgebers lernen zu können, muss selbst auf die Suche nach einem Sprachkurs gehen. Unterstützung gibt dabei zum Beispiel die Aktion Bildungsinformation (Abi). Der Verein gibt seit über 30 Jahren Verbrauchertipps in Bildungsfragen, unter anderem bei der Auswahl von Sprachreisen ins Ausland (im Internet unter www.abi-ev.de).

„Berufsbedingte Intensivkurse sollten mindestens 30 Wochenstunden umfassen“, sagt Barbara Engler von Abi. „Wer die Reise auch zum Entspannen nutzen möchte, dem sollten 20 Unterrichtsstunden pro Woche reichen.“ Auch die Gruppengröße ist wichtig. „Maximal 10 bis 12 Teilnehmer, dann macht das Lernen Sinn.“ Großer Vorteil von Sprachkursen im Ausland: Das Erlernte kann gleich in die Praxis umgesetzt werden – in der Gastfamilie, im Café, im Supermarkt.

Auch Barbara Engler hat die Erfahrung gemacht, dass Englisch der Dauerbrenner unter den Fremdsprachen ist. „Damit kommt man einfach überall weiter, nicht nur in Großbritannien oder den USA, sondern auch in Asien oder Osteuropa.“ Wer Englisch für den Job lernt, muss allerdings beachten: Business English ist nicht gleich Business English. Je nachdem, ob man in der Finanz- oder Versicherungsbranche, der Industrie oder der Forschung tätig ist, braucht man sehr unterschiedliche Fachtermini.

Bei Sprachreisen sollten außerdem Einstufungstests sichern, dass alle Kursteilnehmer auf gleichem Niveau lernen. „Und wer Geld sparen will, ohne Qualität einzubüßen, sollte nicht während der Hauptsaison und nicht in Großstädten buchen“, sagt Barbara Engler.

Das A und O ist aber der Vergleich möglichst vieler Angebote unter der Prämisse: Was bekomme ich für mein Geld? Entstehen Zusatzkosten, zum Beispiel durch Anreise, Saisonzuschläge, Lehrmittel oder Versicherungen? Gibt es ein schriftliches Angebot, Allgemeinen Geschäfts- und Reisebedingungen? Barbara Engler rät außerdem dazu, einen deutschen Veranstalter zu wählen, der nach hiesigem Reiserecht verpflichtet ist, den Reisepreis gegen Insolvenz abzusichern. „Manche Veranstalter behalten sich darüber hinaus vor, die Reise zu stornieren, wenn nicht genug Leute zusammenkommen. Das ist zwar rechtlich möglich, kann aber für den einzelnen Teilnehmer ins Auge gehen.“ Schließlich gilt: Kein Geld zahlen, bevor man nicht eine Buchungsbestätigung mit Beschreibung der zu erbringenden Leistungen erhalten hat.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben