Zeitung Heute : Die wichtigsten 147 Sozialwissenschaftler

Der Tagesspiegel

Wer sind die 147 bedeutendsten Gelehrten in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften? Eine Liste mit 147 Namen aufzustellen und zu begründen – diese Mammutaufgabe hat Professor Karl Ulrich Mayer auf sich genommen. Er ist Soziologe und geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Mehrere Jahre hat Mayer an dieser Liste gearbeitet und er bediente sich dabei eines zunächst einfachen Verfahrens: Auf den vielen Kongressen, die Mayer in den letzten Jahren besuchte, fragte er die anwesenden Wissenschaftler nach bedeutenden Persönlichkeiten und bat außerdem um schriftliche Vorschläge aus den verschiedenen Fachgebieten. Heraus kam eine Liste mit 450 Kandidaten. Dieses Verfahren wurde vertieft durch den bekannten Maßstab, danach zu fragen, wie oft ein Wissenschaftler zitiert worden ist.

Auf diese Weise wurde eine Liste von 147 Gelehrten erstellt, die auch noch Jahre nach ihrem Tod immer wieder zitiert werden. Entscheidend war, dass nur bereits gestorbene Gelehrte in die Liste aufgenommen wurden. Um einen Eindruck zu vermitteln, seien einige Prominente aus der Liste genannt: Theodor Adorno, Aristoteles, Raymond Aron, Marc Bloch, Jacob Burckhardt, Auguste Comte, Charles Darwin, Karl Deutsch, Emile Durkheim, Norbert Elias, Michel Foucault, Sigmund Freud, Antonio Gramsci, Wilhelm Hegel, Hermann von Helmholtz, Thomas Hobbes, Wilhelm von Humboldt, David Hume, Immanuel Kant, John Maynard Keynes, John Locke, Konrad Lorenz, Niklas Luhman, Niccolo Macchiavelli, Karl Marx, Charles Montesquieu, Friedrich Nietzsche, Wilfredo Pareto, Johann Heinrich Pestalozzi, Jean Piaget, Leopold von Ranke, Jean Jacques Rousseau, Joseph Schumpeter, Georg Simmel, Adam Smith, Alexis de Tocqueville, Max Weber und Ludwig von Wittgenstein.

Es gelang Mayer nicht, ausreichend viele Frauen zu finden, die dem Kriterium einer großen Wirkung in der wissenschaftlichen Literatur gerecht wurden. Nur acht Frauen erreichten den Olymp. „Wir konnten die Wissenschaftsgeschichte nicht umschreiben“, sagt Mayer. Bekannte Wissenschaftlerinnen wie die Psychologin Charlotte Bühler oder die Pädagogin Maria Montessori waren zwar unter den 450 Nominierten, seien aber nicht in die Endrunde gekommen. Alle Kriterien erfüllten dagegen Hannah Arendt, Simone de Beauvoir und Margaret Mead sowie fünf weitere Wissenschaftlerinnen.

In den Biografien der ausgewählten Forscher werden nicht nur deren Beiträge zur Wissenschaft geschildert, sondern auch die Persönlichkeiten und die Zeit, in der sie wirkten. Die Namensliste mit den Biografien ist Teil der großen, 26 Bände umfassenden „International Encyclopedia of the Social and Behavioral Sciences“. Dieses große Buchprojekt in den Sozialwissenschaften wird von dem Soziologen Neil J. Smelser und dem Psychologen Paul B. Baltes vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung herausgegeben. Zusammen mit 35 Teilherausgebern haben Smelser und Baltes 4500 Artikel von renommierten Autoren zusammengestellt, die Auskunft über den Stand der Sozialwissenschaften und der Verhaltensforschung geben. Uwe Schlicht

Die 26 Bände umfassende Enzyklopädie ist im Elsevier Verlag in Oxford erschienen und kostet 8935 Euro.

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