Zeitung Heute : Die Wutprobe

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Es war ein wunderschöner, romantischer Abend. Aber beim Nachhausefahren übersehen Sie im Regen das Tempo-30-Schild. Schon blitzt es aus dem Polizeiwagen! Am nächsten Tag sagt Ihnen Ihr Kollege, dass Ihre Arbeit leider vergebens war und Sie alles noch einmal machen können – natürlich in der Hälfte der Zeit. Und dann hat Ihr Sohn auch noch seine Hausaufgaben nicht erledigt, obwohl Sie ihn fünf Mal ermahnt haben.

Straßenverkehr, Arbeit, Familie – es gibt 1000 Gründe, um sich zu ärgern. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: Sie kochen innerlich und möchten am liebsten in die Luft gehen. Was tun, wenn man kurz vorm Ausrasten ist?

Ganz einfach: Zählen Sie bis zehn. Diesen Rat wusste schon der amerikanische Präsident Thomas Jefferson vor 200 Jahren. „Wenn Sie sehr zornig sind, sollten Sie sogar bis 100 zählen, bevor Sie sprechen“, sagte Jefferson. Damit hatte der lebenskluge Politiker die beiden wichtigsten Elemente des Ärger-Managements umrissen. Es geht darum, Zeit zu gewinnen und sich abzulenken, statt sich immer weiter hineinzusteigern. Wer mit Zählen beschäftigt ist, schiebt der Wut einen Riegel vor. Kleiner Tipp: Zwischen jeder Zahl kurz und tief Luft holen.

Wenn man sich ein bisschen gefangen hat, kommt Stufe zwei. „Schlagen Sie nicht um sich“, sagt der amerikanische Psychiater Dan Johnston, „sondern antworten Sie sorgfältig.“

Fühlen Sie sich in Ihren Kontrahenten hinein, haben Sie Mitgefühl – auch wenn’s schwer fällt. So lautet die Maxime von Johnstons Anti-Zorn-Programm. „Auf diese Weise ermöglichen Sie sich selbst, bestimmt und nachdrücklich zu antworten. Seien Sie ehrlich und direkt, vertreten Sie Ihre legitimen Ansprüche. Aber respektieren Sie zugleich die Rechte des Anderen. So machen Sie den Weg zum Ausgleich frei.“

Dabei kann auch hilfreich sein, sich selbst noch einmal mit eigenen Worten klarzumachen, was der andere gesagt hat. Man schaltet das Gehirn ein und vermeidet Missverständnisse. Wenn nötig, sollte man das Gespräch abbrechen: „Können wir später darüber reden?“ oder „Kann ich Sie deshalb noch einmal anrufen?“ Das ist besser, als Dampf abzulassen. Gehen Sie lieber spazieren oder steigen Sie ein paar Treppen.

So, jetzt kann der Ärger kommen.

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