Zeitung Heute : Die Zauberer von OS

Herr Baumgärtel, was ist eigentlich "Open Source"?Das bekannteste "Open Source"-Projekt ist das Betriebssystem Linux, das von dem norwegischen Studenten Linus Thorwald initiiert wurde. Tausende von Programmierern in der ganzen Welt haben ohne Bezahlung über das Internet gemeinsam an der Entwicklung dieser Software gearbeitet. Linux kann umsonst aus dem Netz heruntergeladen werden. Darum spricht man auch von "freier Software". "Open Source" bedeutet, daß jeder den Quellcode ansehen und nach seinem Bedarf verändern darf. Bei kommerzieller Software ist das streng verboten. Das ist so, als würde man Autos mit zugeschweißter Kühlerhaube verkaufen. Bei "Open Source" kann jeder selbst gucken, was für Bauteile unter der Klappe stecken. Wer sind die "Zauberer von OS", die am Freitag nach Berlin kommen?Im Grunde jeder, der sich an der Weiterentwicklung von "Open Source"-Programmen beteiligt. Dazu gehören auch einige Zaubererinnen, Hexen und Feen. Aber natürlich gibt es ein paar besonders profilierte Sprecher der "Open Source"-Szene. Einer ist der US-Programmierer Richard Stallmann. Er setzt sich seit Mitte der 80er Jahren mit seiner Free Software Foundation für freie Software ein und wird zu "Wizards of OS" nach Berlin kommen. Aber freie Software ist keine rein amerikanische Sache. Nicht nur Linux ist vorwiegend von Europäern entwiêkelt worden, sondern auch einige andere "Open Source"-Projekte. Wer den Film mit Judy Garland gesehen hat, weiß, wer der Zauberer von OS ist. Ein kleiner, dicker Mann hinter einem grünen Vorhang... Wie reagieren internationale Konzerne auf den Erfolg von Linux?Linux hat in den letzten zwei Jahren einen Siegeszug angetreten. Unternehmen von der taz bis zu Sixt und DaimlerChrysler benutzten dieses Betriebssystem. Die Special Effects vom Film "Titanic" wurden auf einem Linux-Rechner erzeugt. Auch andere "Open Source"-Programme sind sehr erfolgreich. Internationale Konzerne wie Apple gehen jetzt dazu über, den Quellcode ihrer Software wenigstens teilweise offenzulegen. Außerdem sind einige der einflußreichsten Entwickler von Software wie Apache oder PERL aus Deutschland. Wo wären wir heute ohne Linux?In einer Welt, in der eigentlich nur noch ein einziges Computerbetriebssystem übriggeblieben ist, und zwar ein sehr schlechtes: Windows. Durch Linux besteht noch Hoffnung: Vielleicht sind wir doch nicht bis ans Ende aller Tage gezwungen, Software von einem Unternehmen zu benutzten, das gerade in den USA wegen unlauterer Geschäftspraktiken vor Gericht steht . . . Bei Ihrem Kongreß wollen sie ein breiteres Publikum auf Linux, die Alternative zu Microsoft, aufmerksam machen. Mit ausgefallenen Themen . . .Man kann "Open Source" nicht verstehen, wenn man es nur als technisches Phänomen betrachtet. "Open Source" kommt aus einer Kultur, und diese Kultur scheint gerade die Regeln in der Informationsgesellschaft zu verändern. "Wizards of OS" ist darum keine Konferenz für Programmierer, sondern für jeden, der sich für die gesellschaftliche Bedeutung von Computern und Software interessiert. Darum haben wir auch Medientheoretiker wie Friedrich Kittler, Philosophen und Künstler eingeladen, um das Thema von allen Perspektiven zu beleuchten.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben