Zeitung Heute : Die ZDF-Frauensendung leidet unter ihrem Sendeplatz

Martin Busche

Eigentlich müsste eitel Sonnenschein herrschen, beim Frauenmagazin "ML-Mona Lisa", das heute um 18 Uhr im ZDF läuft. In Kürze steht die 500ste Sendung an. Doch richtig gute Stimmung will nicht aufkommen in den Münchener Redaktionsräumen. Denn ausgerechnet zum Jubiläum steckt die mehrfach ausgezeichnete Sendung in einem Quotenloch.

Die Zahl der 14-29jährigen Zuschauer halbierte sich im letzten Jahr von 170 000 auf 80 000. Auch die Zuschauerinnen insgesamt werden immer weniger: 1997 schalteten 2,14 Millionen Frauen Mona Lisa an. 1998 noch 1, 84 Millionen. Momentan sind es nur 1,7 Millionen Zuschauer. Für Hauptmoderatorin und Redaktionsleiterin Conny Hermann liegen die Ursachen auf der Hand. "Zum einen dürfen wir nur noch 30 Minuten, statt bislang 45 Minuten senden", erklärt sie dieser Zeitung. Zum anderen wurde das Magazin von 18 Uhr 15 auf Punkt 18 Uhr vorverlegt. Eigentlich, um der "Lindenstraße" aus dem Weg zu gehen. Denn Punkt 18 Uhr 40, wenn in der ARD Mutter Beimer auftritt, sackte die Quote ins Bodenlose. Dort hat sie nun ihrem Stammplatz.

Mit der neuen Sendezeit kam ML vom Regen in die Traufe. Direkt vor der Frauensendung "Mona Lisa" läuft nun die "Sportreportage" - eine Männerdomäne. "Zwischen uns und denen wechselt die Zuschauerschaft komplett", weiß Hermann. Direkt danach beginnt "Reiselust", ein übler Quotenkiller, für den sich kaum jemand interessiert. "Die Vorverlegung hat uns nicht gut getan", musste Hermann dann auch erkennen. "Zwischen 18 und 19 Uhr schalten viele Zuschauer erst ein". Jede Minute, die eine Sendung später beginnt, wirkt sich positiv auf die Quote aus. Auch die Verkürzung um eine Viertelstunde macht der Redaktion zu schaffen. "Wir stöhnen manchmal ganz schön", gibt Hermann zu. Dennoch mag sie, zumindest öffentlich, die Entscheidung nicht kritisieren. "Das ZDF wollte sein gesamtes Programm optimieren, nicht nur unsere Sendung", macht sie in Verständnis. Geärgert hat sie sich allerdings über einen Artikel in der "HÖRZU". Der hat als ML-Reaktion auf die miesen Quoten eine "Flucht in leichtere Themen" ausgemacht. "Stimmt nicht", hält die Redaktionschefin dem entgegen.

"Wir passen uns nur dem Sommer an, dort nehmen wir regelmäßig leichtere Themen ins Programm. "Wir werden keine Boulevardsendung", betont sie weiter und verweist auf das Thema der heutigen Sendung: "Ich hasse meine Eltern". ML berichtet dort von Scheidungskindern, zeigt wie die Mütter damit klar kommen und zeigt wie Eltern den Hass ihrer Sprößlinge noch durchbrechen können.

Wie die Zuschauermassen allerdings zurückgeholt werden sollen, weiß bei "Mona Lisa" niemand so genau. "Wir senden von Frauen für Frauen", lautet weiterhin ihr Motto. Nach Erfolgsrezept klingt das nicht. Ob das monatliche "Mona Lisa Special" zu aktuellen Themen, größeres Interesse für Frauenthemen wecken wird, bleibt ebenfalls abzuwarten. Besser wäre es wohl, denn außer ML läuft im Ersten und Zweiten Programm kein weiteres Frauenmagazin mehr. Der jüngste ARD-Versuch, "Brigitte TV", scheiterte im letzten November an schlechten Quoten. "Ist wohl auch besser so", wird sich mache Zuschauerin gedacht haben. Konzeptlosigkeit und die extremen Qualitätsunterschiede der Beiträge machten das Zuschauen zur Qual. Offensichtlich auch für NDR-Intendant Jobst Ploog. Für ihn steht fest: "Ein Frauenmagazin im Ersten wird es nicht mehr geben". Dafür muss Frau schon auf die Dritten Programme ausweichen. Dort laufen mit "Frau TV" im WDR, dem ORB-Magazin "Ungeschminkt" und "Frauensache" aus München, gleich drei Magazine, speziell für Frauen. Vergleichbar mit ML sind sie nicht.

Während sich die ZDF-Frauen stets auf ein Thema stürzen und das 30 Minuten aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, sind die Sendungen in den Dritten Programme klassische Magazinsendungen, thematisieren also mehrere Themen. Außerdem sind sie sehr gefällig, findet zumindest die "taz". Glaubt man ihr, lautet das gemeinsame Motto aller Magazine: "Werdet nicht zu laut". Auch die Machart sei männerdominiert, mäkelt das Blatt weiter. Barbara Brückner, als WDR-Sprecherin für "Frau TV" zuständig, findet den Vorwurf ungerecht und verweist auf brisante "Frau-TV"-Themen wie "Spätabtreibungen" und "Vergewaltigungen in Bosnien". In den anderen beiden Redaktionen stößt die Kritik ebenfalls auf Unverständnis. Zumal die Quoten auf ihrer Seite sind. "Ungeschminkt" aus Potsdam schalten rund 70 000 Zuschauerinnen ein, was einer Quote von acht Prozent entspricht, ORB-Durchschnitt sind 4,9 Prozent. Die bayerische Frauensache konnte ihren Anteil von sieben auf zehn Prozent steigern, "Frau TV" erreicht 300 000 Zuschauer und einen Marktanteil von knapp fünf Prozent. Die Tendenz bei allen Dreien ist steigend. Wenn "Mona Lisa" das auch vermelden könnte, dürfte Hermann schon die tausendste Sendung planen. So bleiben ihr nur fromme Zukunftswünsche. "Wir möchten mit den nächsten 500 Sendungen Frauen, aber vor allem auch Männer mit unseren Ideen infizieren. Es wäre für beide Seiten wunderbar".

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