Zeitung Heute : Die Zeit der Blausterne

Die Gattung Scilla bietet viele schöne Arten und Sorten, die für die Kultur geeignet sind

Tassilo Wengel
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Eine sehr alte Gartenpflanze ist auch die Art Scilla hispanica. Der Handel bietet weniger die Wildart, sondern vor allem...

Blausterne sind neben Schneeglöckchen, Märzenbecher, Hyazinthen und Tulpen die populärsten Blumenzwiebelpflanzen, die im Frühling ihre Blüten öffnen. Das gilt vor allem für den Sibirischen Blaustern (Scilla sibirica). Doch die Gattung bietet weitere schöne Arten und Sorten, die für eine Kultur geeignet sind und sich vielseitig verwenden lassen.

Die Blausterne gehören zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae) und sind mit etwa 80 Arten von Europa bis in die gemäßigten Gebiete Asiens vertreten. In unseren Breiten ist der Zweiblättrige Blaustern (Scilla bifolia), vor allem im südlichen Deutschland, heimisch, dessen Verbreitungsgebiet bis nach Frankreich im Westen und im Osten bis nach Kleinasien und zum Kaukasus reicht. Er wächst vorwiegend auf sonnigen Wiesen mit ausreichend Frühjahrsfeuchtigkeit sowie im Bereich von Hecken gemeinsam mit dem Hohlen Lerchensporn (Corydalis cava), Lungenkraut (Pulmonaria angustifolia) und Buschwindröschen (Anemone nemorosa).

Als Wildpflanze ist der Zweiblättrige Blaustern bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt, gelegentlich pflanzte man ihn auch in die Gärten. So ist überliefert, dass er 1594 im Garten des Breslauer Arztes Laurentius Scholz blühte.

Im berühmten Hortus Eystettensis, einem Prachtwerk von 1613 mit Pflanzenabbildungen aus dem Garten des Fürstbischofs Johann Conrad von Gemmingen auf der Willibaldsburg in Eichstätt, wurde er farbig abgebildet. Damals allerdings unter dem Namen Hyacinthus parvus stellatus vernus. Dennoch blieb die Pflanze – einige Gärten des Adels ausgenommen – vor allem auf Botanische Gärten und Liebhaber-Gärten beschränkt, wie es auch heute vorwiegend noch der Fall ist. Dabei handelt es sich bei dieser Art um einen schönen Frühlingsblüher, der seine kleinen türkisblauen, sternförmigen Blüten im März und April öffnet. Sie entfalten sich auf zehn bis 20 Zentimeter hohen Stängeln und sind in einer endständigen Traube mit bis zu acht Einzelblüten vereint. Die Art steht unter Naturschutz und darf weder ausgegraben noch gepflückt werden. Der Handel bietet aber gelegentlich Zwiebeln an, die aus Kulturen stammen. Auch zwei Sorten in Weiß (,Alba‘) und Rosa (,Rosea‘) sind im Sortiment.

Häufiger ist im Garten der Sibirische Blaustern (Scilla siberica) anzutreffen, der von Mittelrussland bis zum Kaukasus und Vorderasien wild vorkommt. Er wurde 1804 von dem englischen Botaniker Adrian Hardy Haworth (1768-1833) als Art beschrieben, zwischenzeitlich auch als Scilla amoena und Scilla cernua bezeichnet. Unter dem letztgenannten Namen bildete ihn der berühmte französische Blumenmaler Pierre Joseph Redouté (1761-1840) in seinem Werk „Les Liliacées“ (1802-1816) ab. In Deutschland wurde der Sibirische Blaustern erstmals laut einem Pflanzenverzeichnis von 1821 im Botanischen Garten Berlin kultiviert. Von hier breitete er sich schnell in Mitteleuropa aus, ist bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine häufige Gartenpflanze und hat bis heute große Flächen in Parkanlagen erobert.

Der Zwiebel entspringen zwei bis vier Laubblätter, zwischen denen sich von März bis in den April hinein etwa zehn bis 15 Zentimeter hohe Blütenstände erheben. Sie bestehen aus zwei bis drei azurblauen, nickenden Blüten, die wie breite Glocken aussehen. Einmal gepflanzt, breitet sich die Art im Rasen oder auch im Bereich von Laubgehölzen leicht durch Samen aus und bildet bald geschlossene Bestände. Von der Art gibt es eine weiß blühende Sorte ,Alba‘ sowie eine größere Auslese ,Spring Beauty‘ mit leuchtend blauen Blüten.

Schon lange wird das Blauglöckchen, auch Spanische Scilla oder Glockenscilla (Hyacinthoides hispanica, syn. Scilla hispanica) genannt, in Gärten kultiviert. Die Art kommt von Portugal über Spanien bis nach Nordafrika wild vor und ist ebenfalls eine alte Gartenpflanze. Bereits Carolus Clusius (1526-1607), niederländischer Arzt und Botaniker aus Leiden, bildete die Pflanze in seinem Rarorium plantarum historia ab, nachdem er sie von einem Herrn von Longatre aus Belgien erhalten hatte. Auch im bekannten Hortus Eystettensis ist das Blauglöckchen abgebildet, hier sogar in einer blauen und rosa Farbform. Die Pflanze bildet Rosetten von etwa 20 Zentimeter langen, linealischen, lanzettlichen Blättern und entfaltet von Mai bis Juni bis 25 Zentimeter hohe Blütenstände. Sie tragen rund um den Stängel hängende Glockenblüten, die in pyramidalen Trauben zusammenstehen. Heute ist in den Gärten die Wildform weniger bedeutsam, denn der Handel bietet vor allem Farbauslesen in Weiß und Rosa sowie verschiedenen Blautönen an.

Im Gegensatz dazu findet man vom verwandten Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) fast ausschließlich die Wildform. Seine Verbreitung reicht von England, wo es „Bluebells“ genannt wird, über Mitteleuropa bis nach Spanien. Die Art bildet schmale rinnige Blätter und entfaltet von April bis Mai himmelblaue Blüten. Sie sind röhrig-glockig und in einseitswendigen Trauben vereint.

Aus dem nordwestlichen Iran stammt der Erstfrühlings-Blaustern (Scilla mischtschenkoana, syn. Scilla tubergeniana). Er wurde 1931 dort von G. Egger entdeckt, der für die Blumenzwiebelfirma van Tubergen sammelte. Aus jeder Zwiebel entspringen drei bis fünf linealische Blätter und ein bis drei Blütenstände. Sie entfalten sich sehr zeitig im Jahr bereits Ende Februar oder Anfang März zusammen mit Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) und Winterling (Eranthis hiemalis). Anfangs noch recht niedrig, verlängert sich der Blütenstand bis zum Verblühen auf eine Länge von etwa 20 Zentimetern. Die Blüten sind sternförmig, zartblau oder hellblau und mit einem dunkleren Streifen auf dem Blütenblatt versehen.

Ideale Standorte zur Ansiedlung dieser Kleinblumenzwiebeln sind vor allem die Ränder der Laub abwerfenden Gehölze. Hier entwickeln sie sich meist optimal, da sie vor dem Laubaustrieb der Gehölze ausreichend Licht erhalten und später im tiefen Schatten ruhen können. Sehr wirkungsvolle Bilder ergeben sich auch mit diesen Blumenzwiebeln, wenn es sich um früh blühende Gehölze handelt. Besonders bieten sich Winter-Schneeball (Viburnum x bodnantense), Kornelkirschen (Cornus mas), Goldglöckchen (Forsythia), Felsenbirne (Amelanchier ovalis) oder Blutjohannisbeere (Ribes sanguineum) an, die dann bereits ihre Blüten geöffnet haben.

Grundvoraussetzung ist allerdings ein humoser, anlehmiger Boden mit gewisser Feuchtigkeit. Sehr trockene und sandige Böden sind nicht zu empfehlen. Damit sich diese Blumenzwiebeln ausbreiten können, dürfen die Flächen am Fuß der Gehölze nicht bearbeitet werden. Wichtig ist, im Herbst das Falllaub nicht zu entfernen, damit ein lockerer Humusboden entsteht. Außerdem sollte auf diesen Flächen auf keinen Fall umgegraben werden. Nur so entwickelt sich ein natürliches Milieu, das Blumenzwiebelarten auch die Ausbreitung durch Samen ermöglicht. Pflanzt man zwischen die Blausterne andere Kleinblumenzwiebeln wie Schneestolz (Chionodoxa), Puschkinien (Puschkinia scilloides) oder gelb blühenden Wildtulpen, dann lassen sich zauberhafte Bilder schaffen. Hier bietet sich vor allem Tulipa tarda an, eine Wildart aus dem Tienschan. Sie wird nur zehn bis 15 Zentimeter hoch und entfaltet hellgelbe, sternförmige Blüten mit intensiv gelb gefärbter Mitte. Alle blühen zur gleichen Zeit und verwandeln den Gehölzrand in ein Farbenmeer.

Bezugsquellen: Bern Schober, Stätzlinger Straße 94, 86165 Augsburg, Tel. 0821/72989501, www.der-blumenzwiebelversand.de; Van Tubergen, Leidsevaartweg 46, 2106 NA Heemstede, Tel. 0031/23/5849154, www.vantubergen.nl

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