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Daniel Chodowieckis Ruhm als Kupferstecher ist eng mit Berlin verbunden

Waltraud Hennig-Krebs
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Ein Künstler, der schon zu Lebzeiten berühmt war: Daniel Chodowiecki. Er illustrierte unter anderem Werke von Lessing, Goethe und...

Wer sich in Berlin auf Spurensuche nach berühmten Polen begibt, wird zwangsläufig auch auf Daniel Nikolaus Chodowiecki stoßen. Er gilt als der populärste Kupferstecher, Grafiker und Illustrator des 18. Jahrhunderts. Geboren 1726 in Danzig, erhielt er schon früh seine ersten künstlerischen Anregungen durch seinen Vater, einem Getreidegroßhändler. In seiner Autobiografie schreibt er: „Mein Vater, ein Kaufmann, malte zu seinem Vergnügen in Miniatur und gab mir die erste Anleitung in dieser Kunst; da er mich aber eigentlich zur Handlung erzog und schon 1740 starb, hatte ich im Zeichnen und Malen nur wenig gelernt.“ Seine Mutter, eine Schweizerin hugenottischer Abstammung, schickte ihn in eine Kaufmannslehre in Danzig.

Als der Kaufmann pleiteging, siedelte Daniel mit seinem Bruder Gottfried, der Miniaturen malte, 1743 nach Berlin über. Dort betrieb sein Onkel Antoine Ayrer, ein Bruder der Mutter, ein Kurzwarengeschäft. Neffe Daniel zeichnet und entwirft für ihn Modeschmuck. Ayrer sorgt dafür, dass Daniel und Gottfried eine Ausbildung bei namhaften Künstlern in der Emailmalerei erhalten. 1754 machten sich die Brüder als Miniatur- beziehungsweise Emailmaler selbstständig. Bereits ein Jahr später heiratete Daniel in Berlin Johanna Marie Barez, die Tochter eines hugenottischen Seidenstickers. Mit ihr hatte er sechs Töchter und drei Söhne. Durch diese Ehe war Daniel Chodowiecki stark in die französische Gemeinde in Berlin eingebunden, in der er sich sehr engagierte.

Erste Erfolge konnte Chodowiecki als Illustrator in Almanachen und Kalendern erzielen. Etwa 1757 wandte er sich der Radierung zu, die er autodidaktisch erlernte. Seinen Durchbruch erreichte er mit dem Kupferstich „Der Abschied des Calas“, der die Leiden der französischen Hugenotten zeigt. Schnell wird er zu einem überall geachteten Künstler. Später machten ihn seine Kupferstiche in der ganzen Welt berühmt. Er illustrierte nicht nur Werke von Lessing, Goethe oder Schiller, sondern auch wissenschaftliche Werke sind mit seinen Stichen bebildert. Aber auch in den Übersetzungen von Bestsellern des 18. Jahrhunderts, beispielsweise von Oliver Goldsmith, Miguel de Cervantes Saavedra und Tobias Smollett, sind seine Illustrationen zu sehen. Um sein enormes Werk, es dürften weit mehr als 2000 Radierungen sein, zu bewältigen, beschäftigte er in seiner Werkstatt einige der besten Kupferstecher, Radierer und Miniaturmaler des Landes.

Neben den Kupferstichen und Radierungen wurde Chodowiecki auch als Zeichner bekannt. Als er 30 Jahre nach seiner Übersiedlung nach Berlin erstmals wieder seine Heimatstadt Danzig besucht, hält er die Eindrücke seiner Reise auf einem Skizzenblock fest. Diese Zeichnungen veröffentlicht er später unter dem Titel „Meine Reise von Berlin nach Danzig“. Vermittelt wird ein treffender Eindruck vom Leben des Danziger Bürgertums in 18. Jahrhundert.

Aufgrund seines Erfolges wurde er 1764 Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Die Institution hatte sich während der Regierungszeit des „Soldatenkönigs“ und seines an französischer Kultur orientierten Nachfolgers Friedrich II. festgefahren. Chodowiecki bemühte sich um Veränderungen und unterstützte 1783 die Ernennung seines Freundes Bernhard Rode, dessen Schüler er einst war, zum Direktor der Akademie. Nach dessen Tod 1797 und bis zu seinem eigenen Ableben im Jahre 1801 leitete Chodowiecki selbst die Akademie. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde zu Berlin. Waltraud Hennig-Krebs

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