Zeitung Heute : Die Zeit ist reif

Askania baut jetzt wieder Fliegeruhren in Berlin

Friedrich Geiger

„Klaus Wowereit hat sich riesig gefreut“, sagt Leonhard Müller, dessen Betrieb der Regierende Bürgermeister kürzlich besuchte. „Denn mit Askania hat die Hauptstadt endlich wieder eine eigene Uhrenmanufaktur.“

„Askania – seit 1871 in Berlin-Friedenau“ steht auf jedem Modell des traditionsreichen Herstellers. Allerdings ist die Tradition nicht ungebrochen. Es brauchte einen Unternehmer wie Leonhard Müller, um sie wiederzubeleben.

Im Jahr der Reichsgründung eröffnete Carl Bamberg eine Manufaktur für Präzisionsinstrumente. Im 20. Jahrhundert wurde Askania ein bedeutender Hersteller von Flugzeug-Bordinstrumenten, Fliegeruhren und Filmkameras. Anfang der Dreißigerjahre arbeiteten 15 000 Menschen in der Fabrik. Die Askania-Höfe in der Bundesallee in Friedenau zeugen noch heute davon. Nach Bombenschäden und Demontage wurde die Firma 1945 aufgelöst.

Der Badener Leonhard Müller, Vorstand der neuen Askania, arbeitete für einen Schweizer Uhrenanbieter. Sein Traum war es, eigene Uhren herzustellen. 2003 belebte er daher die Marke wieder. „Unser Schlüsselerlebnis war die Luftfahrtausstellung Ila 2004“, sagt der 50-Jährige „Da hatten wir auf unserem kleinen Stand so viel Zulauf, dass wir uns gesagt haben, wir müssen nach Berlin kommen.“

Im Januar eröffnete Askania offiziell ein neues Atelier in Friedenau. Damit kehrte das Unternehmen nach 135 Jahren an seinen Ursprung zurück. Nach eigenen Angaben ist Askania die einzige Uhrenmanufaktur der Hauptstadt. 2500 Armband- und Taschenuhren verkaufte Askania 2005, unter anderem in Amerika, Japan und dem Nahen Osten. Sie kosten 200 bis 2000 Euro. Die Uhrwerke bezieht Askania von Zulieferern und veredelt sie. „In spätestens fünf Jahren wollen wir eigene Werke präsentieren, die komplett hier hergestellt werden“, sagt Müller. Dann, hofft er, arbeiten wieder 100 bis 150 Menschen bei Askania. Derzeit sind es zehn, zwei Lehrlinge beginnen demnächst ihre Ausbildung.

Askania kommt die große Zahl gut ausgebildeter Uhrmacher zugute. Ihre Zahl im Großraum Berlin schätzt Müller auf 900. Die westdeutsche Uhrenindustrie war ins Trudeln geraten, nachdem in den Siebzigerjahren die Quarzuhren aufkamen. „In der DDR ist das nicht passiert“, erzählt er.

Müller hat noch große Pläne mit der alten Marke. Derzeit entwickelt Askania mit einem Berliner Partner eine Weltneuheit, die dem Träger der Uhr hilft, wenn er in Not ist – mehr will Müller noch nicht verraten.

Die Manufaktur in der Roennebergstr. 3A ist täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet, Telefon: 200 89 70.

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