Zeitung Heute : Die Zigarette danach

Der Tagesspiegel

Ich habe mich verliebt. Hals über Kopf und bis über beide Ohren. Nein, Sie lesen hier nicht die Rubrik „Verliebt in den Frühling“, wir sind immer noch in der „Rauchfreien Zone“, und ich gebe dieses intime Bekenntnis nur aus rein wissenschaftlichen Gründen preis. Francesca stellt mich nämlich vor eine echte Herausforderung:Sie raucht. Emotionale Ausnahmezustände dieser Art vermindern die Kritikfähigkeit. In meinem Fall bedeutet das:Ich brauche sie nur anzusehen und finde sie ganz und gar umwerfend. Leider schließt diese unkritische Begeisterung auch die Art ein, wie sie Zigaretten raucht. Irgendwie graziös, elegant, beinahe unwiderstehlich.

Aber nur beinahe. Was den Tabak angeht, habe ich nicht die Absicht, wieder schwach zu werden. Übrigens hat sie ihre Zigaretten bei mir zu Hause vergessen. Die halb volle Schachtel macht mich nicht einmal mehr nervös. Vor zwei Monaten wäre das noch undenkbar gewesen. Bei ihr allerdings könnte ich sofort schwach werden. Das Ritual ist so alt wie die Zigarette, in unzählige Meilensteine der Filmgeschichte gemeißelt: Sie nimmt eine tiefen Zug von seiner Kippe, um ihren ausströmenden Rauch mit dem seinen zu vereinen. Einen Teufel werde ich tun!

Überhaupt wird die Bedeutung der Zigarette im Spiel der Geschlechter meiner Meinung nach maßlos überschätzt. Aber Tatsache ist:Wer einen Kuss von kaltem Rauch genießen kann, muss mehr als verliebt sein. Das ist dann schon die ganz große Leidenschaft. Und für Leute, die von der Zigarette danach schwärmen, kann ich nur Mitleid empfinden. Ich glaube, die haben einfach nur schlechten Sex. Stephan Wiehler

Fortsetzung am Montag kommender Woche

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