Zeitung Heute : Die Zins-Spekulanten

Max Herbst

Viele Zins-Experten prognostizieren, dass der Preis des Baugeldes in der zweiten Jahreshälfte wieder steigt. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie schnell und wie hoch klettern die Zinskosten? Dass Häuslebauer sich Sorgen über die Entwicklung der Zinsen machen, liegt auf der Hand. Sie müssen schließlich heute entscheiden, ob sie ihre Kredit-Zinsen fünf Jahre festschreiben. Dann zahlen sie etwas weniger als wenn sie sich etwas höhere Konditionen zehn Jahre sichern. Am teuersten sind 15-jährige Vertragslaufzeiten. Doch diese haben im Gegenzug den Vorteil, dass der Kreditnehmer nach Ablauf von zehn Jahren seinen Kredit zurückzahlen kann, ohne dafür eine Entschädigung (Vorfälligkeitsgebühr) zahlen zu müssen. Dies gilt nicht bei 5- oder 10jährigen Laufzeiten des Darlehens.

Lohnt sich aber eine langfristige Zinsbindung, wenn man dafür Jahr für Jahr mehr zahlen muss, als für ein kürzer laufendes Darlehen? Die Antwort auf diese Frage kann niemand geben, ohne zu spekulieren. Denn entscheidend ist natürlich: Was kostet Baugeld in fünf Jahren: Ein Beispiel. Derzeit sind fünf Prozent Zinsen effektiv fällig für einen Vertrag mit fünf Jahre lang fest geschriebenen Konditionen. Bei einer zehnjährigen Zins-Bindung muss der Kreditnehmer dagegen 5,45 Prozent Zinsen bezahlen. Entscheidet er sich nun für das billigere Darlehen, dann muss er nach fünf Jahren einen neuen Kredit von der Bank erhalten, der maximal 6,1 Prozent Zinsen kostet, um im Vergleich zum 10-jährigen Darlehen wettbewerbsfähig zu bleiben. Liegen die Zinsen unter 6,1 Prozent, gewinnt der Spekulant, liegen sie darüber, dann verliert er.

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