Zeitung Heute : Die Zwei: Einer steht zwischen ihnen, zwischen Bayern und Hertha: der Profi Sebastian Deisler.

Aufgeschrieben von Helmut Schümann

Uli: Vergangene Woche rief Dieter an. Das war am Tag, nachdem es geheißen hat, wir vom FC Bayern München hätten dem Berliner Spieler Sebastian Deisler schon mal 20 Millionen Mark Handgeld bezahlt, damit er in der kommenden Saison für uns spielen wird. Dieter wollte wissen, wie wir mit der Nachricht umgingen, und ich sagte ihm, dass wir sie dementieren werden, weil sie auch so nicht stimmt. Wir haben keinen Pfennig Handgeld bezahlt, aber das war Dieter ohnehin klar, er kennt das Geschäft. Dass wir Deisler bei uns haben wollen, ist kein Geheimnis, war auch nie ein Geheimnis zwischen uns, wir haben da schon sehr früh, sehr offen miteinander geredet.

Es ist natürlich so, dass wir beide auf dem gleichen Posten in derselben Branche arbeiten und sich unsere Interessen mitunter überschneiden. Das war vor zwei Jahren so, als wir Deisler schon haben wollten und Hertha BSC auch, und einen ähnlichen Kampf um Spieler hatten wir bei Pal Dardai und Stefan Beinlich. Damals hat Dieter gewonnen, diesmal eben wir, das sehen wir beide sportlich, auch wenn es mir diesmal Leid tut für Dieter. Es ist aber auch so, dass in der Fußball-Branche grundsätzlich die Lüge zum Geschäft gehört. Das wissen wir beide, deshalb ist es auch kein Problem für uns. Ich werde Dieter nie übers Ohr hauen, und er mich auch nicht. Aber es kann im Bedarfsfall passieren, dass ich das Telefon klingeln und mich verleugnen lasse.

Dieter macht das nicht anders, wir sind uns sehr ähnlich. Er ist allerdings noch viel emotionaler als ich, was man vielleicht daran ablesen kann, dass er, anders als ich, nicht während der Spiele neben dem Trainer sitzt. Er würde ausrasten, das ist er schon als Kind manchmal. Wir haben zu Hause oft Tipp-Kick gespielt. Meistens habe ich gewonnen. Ja, und dann hat der Dieter mir das Spiel um die Ohren gehauen, und ich musste fliehen. Ich habe also das Spiel gewonnen und er den Tag, ernstere Konflikte haben wir bis heute nicht gehabt. Und wenn er heute unseren Elber verpflichten könnte, würde er es tun, ich wäre nicht sauer, aber dann würde ich ihm Leid tun.

Dieter: Wir belügen uns nicht. Punktum. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Oder anders gesagt: Ich weiß, dass der Uli mir in geschäftlichen Dingen nicht immer die volle Wahrheit sagt, der Uli weiß, dass ich ihm nicht immer die volle Wahrheit sage, also ist es doch keine Lüge. Wir gehen aufrichtig miteinander um, früher als Kinder war das so, und heute ist das nicht anders.

Was uns unterscheidet? Vielleicht, dass der Uli mir immer einen Schritt voraus war. Er ist der Ältere von uns beiden, ein Jahr und zwei Tage, und wenn man meinen Werdegang anschaut, dann kann man schon glauben, ich wollte ihm stets nacheifern. Ein Plan war das allerdings nicht, es dem Uli zu zeigen. Unterbewusst kann das aber durchaus ein Antrieb gewesen sein.

Uli war schon Kapitän der Schülernationalmannschaft, als ich mit 15 Jahren überhaupt erst ernsthaft angefangen habe, Fußball zu spielen. Dann war Uli Star beim FC Bayern, war Europa- und Weltmeister, und ich kickte für den VfR Ahlen in Schwaben. Als ich schließlich auch Nationalspieler wurde, 1979 war das, war Uli Manager beim FC Bayern und saß bei meinen Vertragsverhandlungen auf der Gegenseite. Die Phase, Uli Manager, ich Spieler beim FC Bayern, war übrigens die einzige Zeit, in der unser Verhältnis belastet war, manchmal sogar getrübt. Wahrscheinlich hatten wir immer Angst, man könnte uns Kumpanei vorwerfen.

Dass wir uns jetzt um Spieler kabbeln, das bekümmert unsere Beziehung nicht. Die Aufregung um das angebliche Handgeld von 20 Millionen Mark an Sebastian Deisler, also ich teile diese Aufregung nicht. Es ist auch nicht unüblich, dass Vereine mit einem zukünftigen Mitarbeiter Vereinbarungen treffen. Ich bin natürlich traurig, dass wir unseren besten Spieler an die Bayern verlieren, dem Uli böse bin ich aber nicht. Eine Sache aber gibt es, in der der Uli tatsächlich weiter ist als ich, und um die beneide ich ihn wirklich nicht: Uli spielt inzwischen Golf. Golf! Ich weiß nicht, ob ich mal dahinkommen will. Wir sind doch beides Arbeitstiere.

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