Zeitung Heute : Die Zwei

Aufgeschrieben Ulf Lippitz

Antye Greie-Fuchs: Ich habe Uli 1996 zum ersten Mal getroffen. Sie hat eine Fashion-Show in Berlin veranstaltet und dafür Models gesucht. Normale Menschen von der Straße. Da hat sie mich gefragt, ob ich Lust hätte, mitzumachen. Ich fand das sehr spannend - und habe zugesagt. Langsam sind wir dann beste Freunde geworden.

Uli ist eine sehr zurückhaltende Frau. Ganz warm. Sensibel. Sie ist die erste, die meine Musik hört. Genauso bekommt sie das erste Feedback von mir, wenn ich ihre Kleider im Rohschnitt sehe. Ich bin ihr Haus-Model und schreibe Promotion-Texte für sie. Sie kann sich gut über ihre Klamotten ausdrücken, aber nicht so über die Sprache.

Während der Arbeit haben wir festgestellt, dass wir beide in einem Boot sitzen: Wir schlagen uns in einem Semi-Underground mit unserer Kunst herum, die auch kommerziell ist. Wir haben ähnliche Probleme und Sorgen: sich durchzusetzen, die Schwierigkeiten mit dieser Arbeits- und Lebensweise. Wenn sie kurz vor einer Kollektion steht, gibt es nichts anderes in ihrem Leben. Danach kommt plötzlich diese Leere. Da bricht sie zusammen und heult. Erst Mal ist das Erschöpfung. Es gibt ihr aber auch einen Ausgleich für die Härte, die sie im Business durchstehen muss.

Sie rackert sich seit Jahren den Arsch in dieser wirklich gemeinen Branche ab. Ich bewundere sie für dieses Durchhaltevermögen. Aber auch für ihre Wahrnehmung, für ihren Mut, ihre Linie seit Jahren aufzubauen. Ihr Stil ist sehr feminin - so dass es mir manchmal fast zu viel wird, er ist sporty und gleichzeitig elegant. Ihre Sachen sind die besten Kleider, die ich jemals hatte. Uli arbeitet viel mit Freunden. Einmal hat sie 30 Freundinnen in dasselbe Kleid gesteckt, und wir sind so über den Alex gelaufen. Es war ein ganz besonderes Kleid, das man nur alleine tragen möchte, und plötzlich haben das alle an. Das war total lustig.

Wenn wir ausgehen, dann meist in ziemlich schlechte Kneipen. Sie findet das cool, ich will einfach ungestört sein. Dann reden wir wie die Kaputten, bis wir vor Erschöpfung unter den Tisch fallen.

Uli Dziallas: Mit meiner Schwester Claudie habe ich eine Veranstaltung organisiert und war auf der Suche: wer meine Kleider präsentieren sollte. Claudie arbeitete damals im selben Büro wie Antyes Label Kitty Yo. Da ist mir Antye aufgefallen. Sie war einfach super. Vom Typ entsprach sie genau dem, den ich mir in den Sachen vorstellen konnte. Dann sah ich ein Laub-Konzert - und das hat noch einmal alles bestätigt.

Als Haus-Model möchte ich sie nicht bezeichnen. Antye macht viel mehr, als dass sie nur dasteht und die Sachen anprobiert. Es ist inspirierend, wenn sie ihre Kommentare abgibt. Antye ist sehr liebenswert und ehrgeizig zugleich. Sie weiß genau, was sie will, geht sehr professionell an ihre Arbeit heran. Sie ist aber auch sehr hilfsbereit, wenn es mir nicht so gut geht. Das gibt mir Kraft. Ich sehe, dass jemand dasselbe Ziel verfolgt: für eine eigene Sache zu kämpfen. Mir fällt es manchmal schwer, einen Kommentar zu ihrer Musik abzugeben. Ich will ja nicht nur sagen: Ja, toll, super. Ich muss das herauskristallisieren. Dann wiederum ist es vom ersten Klang so klar, wie gut es ist, weil es mir kalt den Rücken herunterläuft. Sie hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Ihre Musik ist sehr intensiv, nicht so ein Geplänkel, das man schnell mal nebenher hört. Antye ist genauso: entweder hundertprozentig oder gar nicht. Wenn sie singt, ist man überrascht über ihre Stimme, weil sie sich ganz anders anhört, als wenn sie spricht. Ihre Stimme ist sehr eigen. Schön, klar, sehr intensiv. Sie geht einem unter die Haut. Wir sind beide Gefühlsmenschen. Sie in ihrer Musik, Bühnenpräsenz und Ausstrahlung. In ihrer Tieftraurigkeit, Freude und Herzlichkeit. Aber wir wissen auch beide, was wir wollen. Für mich fungiert Antye als Sprachrohr. Sie schreibt über meine Kollektionen und fasst in Worte, was ich durch meine Mode ausdrücke. Wir gleichen uns aus. Sie ist die Erzählerin, ich die Zuhörerin. Wir haben eine sehr intensive Beziehung. Aber räumliche Nähe fehlt uns oft, weil wir beide sehr beschäftigt sind. Es wäre schön, wenn wir uns häufiger sehen könnten.

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