Zeitung Heute : Die Zwei

Ulf Lippitz

Domenico Dolce: Wir haben uns vor über 20 Jahren im Studio eines Designers kennen gelernt, für den wir beide als Assistenten arbeiteten. Ich war bereits eine Zeit lang dort, als Stefano kam - ein rein beiläufiges Treffen ohne Donner und Blitz. Er war mir einfach sympathisch und durch das gemeinsame Arbeiten entdeckten wir schnell, dass wir dieselben Ideen und Leidenschaften teilten.

Wir haben bei null angefangen, in einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung gewohnt und alles bei uns zu Hause gemacht. Ohne Geld, aber mit viel Enthusiasmus und einer riesigen Lust, es mal weit zu bringen. Das Leben zwischen uns war magisch. Es bestand hauptsächlich aus Improvisationen im Leben und Arbeiten. Unser Weg war ein wirkliches Abenteuer. Im Laufe der Jahre wurde es uns wichtig, alle Dinge zu teilen und zu schätzen - auch die banalste Sache wie der Geschmack eines Tellers Spaghettis mit frischen Tomaten. Wir haben ein perfektes Gleichgewicht zwischen zwei komplett verschiedenen Persönlichkeiten erreicht. Gerade in unserer Gegensätzlichkeit vervollständigen wir uns, wir sind wie ein Designer mit zwei Köpfen. Ohne ihn kann ich mich überhaupt nicht mehr vorstellen! Und wir sind entweder schwarz oder weiß-grau gefällt uns nicht.

Wir entscheiden alles zusammen, von der Wahl eines Stoffes bis hin zum Urlaub. Ab und an gibt es Momente, in denen einer sagt: "Ich kann nicht mehr, ich brauche mehr Platz für mich, um mich um meine Sachen zu kümmern." Das hilft, das Gleichgewicht wiederzufinden. Stefano ist ein Vulkan. Mir gefällt sein Instinkt - und gleichzeitig macht mich seine Instinktivität wütend. Er ist intuitiv und stechend wie sein Sternzeichen, der Skorpion. Der geborene PR-Mensch - er weiß zu reden und sich zu bewegen -, liebt das Kino - er wäre gerne Schauspieler geworden -, das Fitness-Studio, die Natur. Stefano ist ein Gesundheitsapostel in der Ernährung, aber raucht wie ein Schlot, kann ehrlich bis zur Provokation sein, überempfindlich, praktisch und abergläubisch. Das Schlimmste für unsere Beziehung? Das Ende!

Stefano Gabbano: Ich erinnere mich haargenau an meinen ersten Eindruck von Domenico: Er hatte eine ganz weiße Haut und war vollständig in Schwarz gekleidet, weil er ein großes Fashion Victim war. Zwischen uns gab es sofort ein stilles Einverständnis. Unsere Träume, die genau zusammenpassten - unsere Ideen, die obwohl ganz unterschiedlich, doch dieselbe Basis hatten.

Zu Beginn hätten wir nie an die Möglichkeit gedacht, Partner zu werden, das ist einfach so passiert. Vor allem Domenico war mehr Individualist. Aber heute würden wir es nicht aushalten, ohne den anderen zu arbeiten. Ich brauche Domenico als mein Gegenteil. Er beschäftigt sich mit den Details, weil er ein Schneider mit penibler Sorgfalt für jede Saumlänge ist. Ich arbeite eher wie ein Blitz, bin instinktiver, halte mich an einem Modell nicht länger als eine Viertelstunde auf. Sonst nervt mich das nur. Wir erreichen immer ein schnelles Einverständnis. An ihm gefällt mir seine Dickköpfigkeit, während mich seine Unruhe rasend macht. Es kommt vor, dass wir uns über die Farbe eines Anzugs oder die Saumlänge eines Kleides streiten. Dann sind wir durchaus in der Lage, einen Tag nicht miteinander zu sprechen. Wenn einer schwarz und der andere weiß sagt, enden wir meistens bei rot.

Domenico ist unheimlich nachtragend. Selbst nach Jahren vergisst er nie etwas - ich dagegen schon nach kurzer Zeit. Es kann mal passieren, dass sich Domenico aufregt, wenn ich eine Jacke von einem anderen Designer kaufe und der Schrank schon voll mit Jacken ist. Domenico ist introvertiert, aber zu großem Elan fähig, ist großzügig, launisch, vergibt. Er ist Traditionalist, sehr an die Familie gebunden. Domenico liebt die Sonne und das Mittelmeer, die Arbeit, die Küche. Er ist religiös, kann auch abergläubisch sein, und er hat eine Vorliebe für die italienische Oper. Im Moment lieben wir unsere Arbeit. In der Zukunft? Werden wir sehen. Vielleicht ziehen wir uns in ein kleines Atelier zurück oder in ein großes Haus auf dem Land, mit vielen Hunden.

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