Zeitung Heute : DIE FORM DES GASES

Für das nüchterne Treppenhaus des Shell-Hauses schuf Armin Bremicker dieses Trompe d’oeil. Einem zusammengeknäulten Geschenkband gleich überlagern sich die gemalten Spiralen, die in den Raum zu greifen scheinen. Das metallene Grau der Schleifen, in dem das Licht reflektiert, verstärkt die Plastizität der Kurven.

Armin Bremickers Arbeiten lassen sich nicht auf ein Genre reduzieren, er experimentiert mit Licht, widmet sich der Skulptur ebenso wie der Malerei. Dabei sucht er immer wieder Verbindungen zwischen klassischer Tradition und moderner Alltagswelt herzustellen. Das Thema Schlaufe hat der Künstler bereits öfters variiert. Nun verzichtet er jedoch auf Text und setzt auf reine Dynamik. Mal schneller werdend, dann wieder abgebremst, versuchen die Augen des Betrachters den Bahnen zu folgen. Während der Blick sich in den Windungen der Schleifen verliert, scheint die Zeit für einen Moment still zu stehen. Ein Hauch Unendlichkeit in einer Schleife, die hier jedoch Anfang wie Ende kennt.

„Gas“ lautet schlicht der Titel dieses komplexen Gebildes, das mit Öl auf vier zusammengesetzte Multiplexplatten gemalt ist. Gase geben Deformationen nach, fließen wie Flüssigkeiten. Anschaulich findet die Elastizität einer chemischen Verbindung ihren Ausdruck. Der Widerspruch zwischen der Präsenz wie der Unsichtbarkeit des Gases artikuliert sich auch in der optischen Täuschung. Ein unsichtbarer Raum öffnet sich, umgibt den Betrachter wie Luft.

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