Zeitung Heute : DIENSTLEISTUNGEN FÜR DIE COMMUNITY – LUKRATIV FÜR JEDERMANN Geschäftsideen für Tolerante

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Weltweite Kontakte

Zimmervermittler U. Hartmann

Am Anfang war nicht der BusinessPlan, nicht die Idee, ja nicht einmal der Wunsch, ein Geschäft zu eröffnen. Am Anfang war ein Problem. Das schwule Infozentrum Mann-O-Meter am Nollendorfplatz vermittelte Privatunterkünfte. Leider sahen die Zimmer nicht immer so aus, wie es die Gastgeber versprochen hatten: Was tun, wenn sich das helle 20-Quadratmeter-Zimmer mit Doppelbett als dunkle Butze mit Matratze auf dem Fußboden entpuppt? Wer haftet? Ehrenamtlich war die Zimmervermittlung nicht zu leisten. Uwe Hagemann(38), der bislang schon die Unterkünfte vermittelt hatte, wollte das Projekt weiterführen, allerdings gewerblich: Die schwullesbische Zimmerbörse „enjoy bed & breakfast“ (Bülowstraße 106, 23 62 36 10, www.ebab.de ) war geboren, und der gelernte Krankenpfleger Hagemann wurde stolzer Herr über 30 Betten in Berlin. Das war 1997.

Inzwischen sind es 1400 Betten in der ganzen Welt: Wer als Lesbe, Schwuler oder toleranter Hetero ein Zimmer in einer anderen Stadt sucht, bekommt bei „enjoy bed & breakfast“ eine Bleibe für 20 bis 30 Euro pro Nacht - gegen Vorkasse. bey

Vertrauen zählt

Steuerberaterin Silvia Hoena

Bei schwulen Freunden sah Silvia Hoena vor Jahren Homo-Magazine. Das brachte die Steuerberaterin auf die Idee, dieses Forum ebenfalls zu nutzen, um ihr berufliches Know-how aufmerksam zu machen. In Tageszeitungen und im Internet hat Hoena ebenfalls annonciert, aber nirgendwo war das Echo so groß wie auf die Anzeigen im in den schwullesbischen Magazinen. Etwa 30 Prozent von Hoenas Klientel sind homosexuell, Tendenz steigend. Die homosexuellen Klientinnen und Klienten bringen Silvia Hoena Vertrauen entgegen – sei ein Marktvorteil bei einer so heiklen Sache wie Steuerberatung, denn die Kunden legen beim Auflisten ihrer Ausgaben Privates offen. „Vielleicht glauben sie wegen der Anzeigen, dass ich lesbisch bin, aber auf jeden Fall gehen sie davon aus, dass ich keine Vorurteile habe“, sagt die Steuerberaterin. Das sei nicht selbstverständlich, sagt die 49-Jährige. Je konservativer die Berufsgruppe sei, desto mehr Vorurteile gebe es gegen Lesben und Schwule, findet Hoeana. Natürlich sage niemand, dass er für Lesben und Schwule nicht die Steuererklärung erledige, aber eine gewisse Reserviertheit sei doch zu spüren. bey

Fachliches Interesse

Pharmazeut Karsten Krause

Die Adresse klingt nicht gerade nach einer Schwulengegend: Seestraße, Wedding. Aber die Prisma-Apotheke wirbt mit Regenbogenfarben und dem Slogan: „Freundliche und kompetente Beratung bei Fragen zu HIV und AIDS“. Schon im Studium hat sich Inhaber Karsten Krause für HIV und Aids interessiert. Außerdem arbeitete er in der Apotheke seiner Mutter, die sich ebenfalls auf das Krankheitsbild spezialisiert hat. Seit einem Jahr führt der 31-jährige Pharmazeut seine eigene Apotheke. Er arbeitet eng mit einer Arztpraxis für HIV- und Krebsmedizin.

„Wir legen Wert darauf, die Medikamente vorrätig zu haben, die unsere Patienten benötigen“, sagt Krauses Lebensgefährtin Magdalene Radtke, die mit ihm zusammen die Apotheke leitet. „Die Arbeit mit HIV-Patienten ist fachlich interessanter, als immer nur Aspirin über den Ladentisch zu reichen. Da würde ich mich doch fragen, wozu ich studiert habe“, sagt die 31-jährige Doktorandin. Karsten Krause ergänzt, dass „sich in der HIV- und Aids-Medizin einfach viel tut“. Ihm macht es Spaß, sich fachlich auf dem laufenden zu halten und neue Entwicklungen zu verfolgen. bey

Wohlfühlfaktor

Sprachlehrerin G. Grewe-Ina

„Ich biete schwullesbische Sprachkurse an, weil ich mich mit Lesben und Schwulen wohl fühle“, sagt Gabriele Grewe-Ina. Sie hat Englisch, Französisch, Latein, Portugiesisch im Repertoire und lehrt, unterstützt von mehreren muttersprachlichen Honorarkräften, in ihrer Privatwohnung in Schöneberg. Das Angebot für Schwule und Lesben hat für Grewe-Ina auch wirtschaftliche Vorteile. Von Sprachkursen für Heterosexuelle könnte die studierte Soziologin nicht mehr leben. Das Geld ist inzwischen bei den meisten knapp geworden, und relativ teure Hobbys wie Sprachkurse fallen mit als Erstes dem Sparzwang zum Opfer. Schwule allerdings und Lesben stehen vergleichsweise gut da, sie müssen meist keine Kinder versorgen. Grewe-Ina: „Mein Durchschnittschüler ist schwul, Akademiker, 37 Jahre alt und lernt Englisch.“

Zum Unterricht gehört bei Gabriele Grewe-Ina undbedingt auch die Lektüre von Artikeln aus Szenezeitschriften auf Englisch, Französisch oder Spanisch, außerdem werden Homo-Witze ausgetauscht und die Feinheiten von typischen Anspielungen in der jeweiligen Fremdsprache. „Für das Sprachenlernen ist das Wohlfühlen wichtig“, sagt Grewe-Ina. „Und in schwullesbischen Kursen ist die Vertrautheit größer als in gemischten Gruppen.“ Manchmal gehen Heterosexuelle in die überwiegend schwullesbischen Gruppen. Die machen dann eine Erfahrung, die für Homos zum Alltag gehört: wie es ist, in der Minderheit zu sein.bey

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