Zeitung Heute : Diepgen nimmt endgültig Abschied

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Eberhard Diepgen hat sein letztes politisches Amt niedergelegt. In einem Brief an seinen alten Weggefährten Peter Kittelmann, den Kreisvorsitzenden der CDU in Mitte, bittet er den Kreis, seinen Rückzug als Direktkandidat für die Bundestagswahl im Herbst zu akzeptieren.

„Nach reiflicher Überlegung und Überprüfung aller Argumente“, schreibt Diepgen an Kittelmann in dem persönlichen Brief vom vergangenen Freitag, „bitte ich den Kreisverband, mich von der Kandidatur zu entbinden.“ Nach seinem Rücktritt als Landesvorsitzender wäre jede andere Entscheidung „inkonsequent“. Dankbar habe er zur Kenntnis genommen, „daß viele Freunde aus dem Kreisverband von mir ein Festhalten an der Kandidatur in Mitte erwarten“. Entsprechend sei es ihm nicht leicht gefallen. „Ich bitte jedoch um Verständnis für meine Entscheidung.“ Auch künftig werde er „der Partei mit Rat und Tat zur Verfügung stehen“.

Der Rückzug von der Kandidatur war erwartet worden. Die Partei hatte ihn eine Woche zuvor deutlich abgestraft und nicht für Platz 1 der Landesliste zum Bundestag nominiert. Schon seine Direktkandidatur war – angesichts eines anderen Interessenten, dem ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke – umstritten gewesen. Und der Wahlkreis Mitte birgt für den Kandidaten der Union ohnehin kaum Chancen, gewählt zu werden.

Peter Kittelmann bedauerte am Montag die die Entscheidung Diepgens. Er unterstrich die Verdienste des langjährigen CDU-Landesvorsitzenden. Wer jetzt die CDU in Mitte im Bundestagswahlkampf vertreten wird, ist offen. Anwärter auf die Direktkandidatur ist wohl Volker Liepelt, der ehemalige CDU-Generalsekretär und Vorsitzende in Moabit. Eine Entscheidung indes wird offiziell frühestens am Mittwoch kommender Woche bei der Kreisvorstandssitzung fallen.

Offen bleibt, wie die Berliner CDU die Verdienste Eberhard Diepgens als Regierender Bürgermeister und als Landesvorsitzender würdigen will. Parteifreunde haben vorgeschlagen, ihn zum Ehrenvorsitzenden zu machen. Bisher war diese Frage noch kein Thema der Landesvorstandssitzungen. Zumindest vor Ostern soll sie auch nicht besprochen werden, heißt es. Barbara Junge

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