• Diese Fantasie gehört eindeutig ins Reich der Homoerotik. Romantische Filme für Frauen beginnen anders Fünf kleine Italiener

Zeitung Heute : Diese Fantasie gehört eindeutig ins Reich der Homoerotik. Romantische Filme für Frauen beginnen anders Fünf kleine Italiener

Mamma mia: Das Designerduo Dolce & Gabbana wirbt diesen Sommer intensiv für seine Unterwäsche-Kollektion. Die halbnackten Spieler Blasi, Cannavaro, Gattuso, Pirlo und Zambrotta verzieren die Bushaltestellen der Welt. Eine Sachkunde des italienischen Körpergefühls.

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Die Italiener beherrschen eine hohe Kunst: Sie können ihre Körper in Öl einlegen und danach Unterwäsche ohne Fettflecken anziehen. Wahnsinn! Und wie stolz sie darauf sind, sehen wir jeden Morgen an der Bushaltestelle – wo fünf Nationalspieler auf einem Plakat für die Marke Dolce & Gabbana werben. Gennaro Gattuso protzt breitbeinig mit seiner blauen Unterhose, schaut fordernd in die Kamera, so als wolle er sagen: Und jetzt hol du mal das Ölfass raus!

Der Bulldozer der Azzurri ist umringt von den Mannschaftskameraden Cannavaro, Zambrotta, Pirlo und Blasi. Allesamt lümmeln sie in einer Umkleide herum, nur Muskeln und Unterhose, mal ein Tattoo, kaum ein Schamhaar, ihr Blick hält den Betrachter gefangen und signalisiert etwas zwischen „Vernasch mich“ und „Was gibt’s denn zum Essen?“. Man muss schon zweimal hinsehen, um zu entdecken, dass es sich nicht um eine Werbung für eine, sagen wir, schwule Internet-Plattform handelt, sondern tatsächlich für eine weltweit bekannte Luxusmarke.

Keine Ahnung, wie viel das Mailänder Designer-Duo für die Fotostrecke gezahlt hat, aber die subversive Homoerotik in einer so betont nichtschwulen Domäne zu zeigen – das ist unbezahlbar. Denn die Hochglanzbilder unterscheiden sich von einer herkömmlichen Fotostrecke für ein Magazin wie „Euroboy” nur dadurch, dass sie besser retuschiert sind. Sicher wird auch Frauen das Motiv gefallen, aber die Fantasie gehört in das Reich der Homoerotik: ein abgeschlossener Rückzugsraum, fünf Männer, fast nackt, nach dem Sport – es sind nicht romantische Frauenfilme à la Amélie, die so beginnen.

Was treibt die Fußballspieler um, uns einen Blick in ihr Refugium riskieren zu lassen? Es kann nicht der Wunsch sein, einmal im Leben einen D & G-Slip zu besitzen, denn mit ihrem Salär können sie ganze Lagerhäuser davon kaufen. Ein Freund sagte kürzlich: „Italiener lieben es, ihre Körper zu zeigen.“ Das stimmt. Man braucht nur einmal einen beliebigen Strand auf Sizilien zu besuchen. Es ist bewunderungswürdig, mit welcher Eleganz selbst ältere Italiener noch knappste Bademoden präsentieren, wie selbstsicher sie ihre Körper zeigen, welcher Schwung ihnen in den Hüften steckt – selbst wenn die künstlich sind.

Gattuso und die anderen sind Botschafter der italienischen Körpervernarrtheit, der Sinnlichkeit und natürlich des Sex. Sie sagen: Du kannst genauso sexy sein wie wir – und genauso sexy spielen wie wir. Wie weit die Taktik von der deutschen Nüchternheit entfernt ist, sehen wir übrigens auch jeden Morgen an der Bushaltestelle. Während Gattuso das Ölfass hervorholt, wirbt Poldi auf dem Plakat gegenüber für eine Krankenkasse. Ulf Lippitz

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