Zeitung Heute : „Diese Konstellation erfordert viel Disziplin“

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Erwin Huber und Günther Beckstein wollen die Nachfolge Edmund Stoibers antreten. Kommt die CSU jetzt zur Ruhe, Herr Kießling?

Das kommt ganz darauf an, wie sich die weitere Nachfolgedebatte entwickeln wird. Die CSU könnte sowohl mit Erwin Huber als auch mit Horst Seehofer als Parteichef gut leben. Wichtig ist aber, dass sich die Beiden einigen werden. Huber hat als CSU-Vorsitzender von Niederbayern eine breite Machtbasis in der Partei. Es ist nicht zu erkennen, dass er automatisch ein schlechterer Parteivorsitzender wäre als Seehofer – aber auch umgekehrt.

Verliert die CSU nicht bundespolitisches Gewicht, wenn sie ihren wichtigsten Bundespolitiker übergeht?

Natürlich gab es bisher in der CSU die Gesetzmäßigkeit, dass der Parteichef ein Bundespolitiker war, wenn beide Ämter getrennt wurden. Die CSU hat sich nie als Regionalpartei verstanden, sondern artikulierte einen bundespolitischen Anspruch. Vielleicht wird für Huber ja doch noch eine Lösung in Berlin gefunden.

Huber und Beckstein sind eigentlich Konkurrenten. Wie werden sie miteinander auskommen?

Günther Beckstein ist ein Typ, der seine Möglichkeiten und Grenzen kennt. Ich glaube nicht, dass er große Ambitionen auf das Amt des Parteivorsitzenden hat. Mit dem Amt des Ministerpräsidenten hat er im Grunde sein Lebensziel erreicht. Auf der anderen Seite weiß auch Huber, dass Beckstein ein sehr populärer Politiker ist. Insofern kann ich mir vorstellen, das diese Konstellation funktionieren wird. Sie erfordert aber viel Disziplin.

Welche Lücke hinterlässt Stoiber?

Die Ära Stoiber war für die CSU eine wichtige Periode. Irgendwann werden die Chaostage, die es in der CSU gerade gibt, in einem milderen Licht erscheinen. Die Zeit des Alleinherrschens ist vorbei. Aber die Zeit bis September gibt Stoiber noch einmal die Chance, ein bisschen Ruhe einkehren zu lassen.

Andreas Kiessling ist Politikwissenschaftler und CSU-Experte.

Das Gespräch führte Fabian Leber.

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