Zeitung Heute : Diese Messe wirkt anziehend

Gut geworben: Die Premium hat sich etabliert – und zum Ruf Berlins als Modestadt beigetragen

Grit Thönnissen

„Das Beste, was Berlin passieren könnte, wäre, dass die Modemessen und die Mercedes Benz Fashion Week zum selben Zeitpunkt stattfinden“

Anita Tillmann (hier mit Norbert Tillmann), Geschäftsführerin der Modemesse Premium

Berlin ist unser Zuhause. So begründet Anita Tillmann, warum sie seit sechs Jahren Modemarken aus der ganzen Welt einlädt. Auch wenn sie heute ein T-Shirt mit der Aufschrift „I love NY“ trägt, sie und ihr Geschäftspartner Norbert Tillmann meinen es ernst. Das T-Shirt ist eine modische Aussage, das mit dem schwarzen Blazer und Turnschuhen zeigt, wofür die Messe Premium steht: einen unaufgeregten Stilmix.

Als die beiden Unternehmer im Herbst 2002 ihr Konzept für eine Modemesse in Berlin schrieben, arbeiteten sie noch in Düsseldorf. Dass im Januar 2003 die Premium Mode in Berlin zeigte, gleichzeitig aber auch Karl-Heinz Müller seine Messe für Street- und Sportswear, die Bread & Butter, in den Spandauer Kabelwerken veranstaltete, war nicht abgesprochen. Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich die Premium in Berlin behauptet und dazu beigetragen, dass Mode in der Hauptstadt ein ernst zu nehmender Wirtschaftsfaktor geworden ist. Inzwischen stellen jede Saison etwa 800 Marken auf der Messe aus. Dass die Konkurrenz Bread & Butter aus Barcelona zurück und im Sommer wieder dabei ist, finden die Tillmanns grundsätzlich gut. „Das Beste, was Berlin passieren könnte, wäre aber, dass die Messen und die Mercedes Benz Fashion Week zum selben Zeitpunkt stattfinden“, sagt Anita Tillmann.

Die beiden ergänzen sich. Norbert Tillmann strahlt mit seiner stattlichen Figur Ruhe aus, während die schlanke Anita Tillmann auch im Gespräch nicht still sitzt und ohne Unterlass erzählt. Ähnlichkeiten sind reiner Zufall. Dass sie beide Tillmann heißen etwa: Die Modefrau ist mit dem Schauspieler Ole Tillmann verheiratet. Oder: Dass sie im vergangenen Jahr im Abstand von wenigen Monaten Eltern wurden. Bei der Premium kümmert sich die Mutter von Zwillingen um Kommunikation und PR, der Vater eines Sohnes um Finanzen und Geschäftsführung. „Wir sind wie Soft- und Hardware, aber Entscheidungen treffen wir gemeinsam“, sagt Anita Tillmann.

Seit Januar 2003 wächst die Premium in jeder Saison. Vor vier Jahren kauften die Veranstalter den Postbahnhof am Gleisdreieck in Kreuzberg. Regelmäßig wird das Gelände mit 25 000 Quadratmetern für Präsentation, Tagungen und Events vermietet. Die Premium hat dafür eine eigene Eventabteilung. Einen Modeladen gibt es auch. „In einer 3b-Lage“, wie Norbert Tillmann den hinteren Teil der Frankfurter Allee in Friedrichshain nennt. „Wir wollen den Einzelhändlern keine Konkurrenz machen, sondern zeigen, wie man Mode verkaufen kann.“

Mehr als 20 Leute arbeiten für die Tillmanns. „Wir verstehen uns als Dienstleister“, sagt Anita Tillmann. Das ganze Jahr sind sie von Paris bis Tokio unterwegs, suchen nach Designern und Trends. Und wägen ab, wer nach Berlin passt – wie etwa grüne Mode, auf der Premium die „Green Area“, in der Marken ihre ökologischen Produkte zeigen. Gutes über Berlin weiß Anita Tillmann überall auf der Welt zu berichten. Als sie 2005 auf der New York Fashion Week, die von der Agentur IMG veranstaltet wird, vom Potenzial der Stadt erzählte, hatte das Folgen. Zwei Jahre später veranstaltete IMG in Berlin die erste Fashion Week. Die Beratung übernahmen die Tillmanns.

www.premiumexhibitions.com

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