Zeitung Heute : Dieser Exot ist rot

Granatapfel sind als Kübelpflanzen gerade für kleine Balkone und Terrassen bestens geeignet.

Dorothée Waechter
Der im Mittelmeerraum beheimatete Granatapfel – dort als Nutzpflanze kultiviert – gilt wegen seiner zahlreichen kleinen Körner seit jeher als Symbol für Reichtum und Fruchtbarkeit. Die Kübelpflanzen werden im Handel als Hochstämmchen oder in buschiger Form angeboten. Foto: dpa
Der im Mittelmeerraum beheimatete Granatapfel – dort als Nutzpflanze kultiviert – gilt wegen seiner zahlreichen kleinen Körner...Foto: dpa-tmn

Die roten, faustgroßen Früchte sind sein Merkmal: Ist der Granatapfel reif, platzt die ledrige Schale auf, und die saftigen Körner werden sichtbar. Sie geben der Pflanze ihren Namen, denn die Bezeichnung „Granatapfel“ wird von dem Lateinischen „malum granatum“ abgeleitet. Es bedeutet so viel wie „gekörnter Apfel“. Hauptsaison ist zwischen September und Dezember.

Die Fülle saftiger Körner führte unter anderem dazu, dass die Pflanze Reichtum und Überfluss symbolisiert. „Der Granatapfel ist seit Alters her wegen seiner zahlreichen kleinen Körner ein Symbol für Fruchtbarkeit“, sagt die Buchautorin Maria Sansoni aus Au in der Hallertau (Bayern). Die Frucht wird aber auch mit etwas Negativem in Verbindung gebracht: Sie soll Gerüchten zufolge der Granate ihren Namen gegeben haben.

Punica granatum, so der botanische Name, zählt zu den Weiderichgewächsen. „Die Heimat liegt in Südwestasien, Zentralasien und der Türkei“, sagt Annette Höggemeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Botanischen Gartens der Ruhr-Universität Bochum.

Seit über 2000 Jahren wird die Pflanze kultiviert und ist heute laut Höggemeier vor allem im Mittelmeerraum zu finden.

Die Gattung hat sich inzwischen in zahlreiche Kulturformen aufgespalten. Fachleute unterscheiden zwischen Frucht- und Ziervarianten. „Bei den Fruchtsorten wird vor allem auf Fruchteigenschaften wie Farbe der Schale, Saftigkeit und Geschmack geachtet“, sagt die Botanikerin Höggemeier. In unseren Breiten werden Gärtner jedoch von den Furchtformen des Öfteren enttäuscht, sagt Sansoni. Die Jungpflanzen benötigen oft mehr als fünf Jahre, um zur Blüte zu kommen. „Früchte werden nur in ganz heißen Sommern oder im Wintergarten angesetzt“, erläutert die Gartenbau-Ingenieurin. Ein entscheidender Unterschied zu den Ziersorten liege in der Blühdauer: „Während die Fruchtsorten einen deutlichen Blüte-Höhepunkt haben und dann nur noch remontieren, blühen die Ziersorten vom späten Frühjahr bis zum Laubfall durch.“ Bei den Ziersorten fallen vor allem die Blüten auf. Ihre Triebe sind dicker und verhältnismäßig steif. Im Vergleich zu den Fruchtsorten haben sie kaum Dornen. „Da die Blüten meist mehr oder weniger gefüllt sind, setzen sie keine Früchte an“, erläutert Sansoni. Die wohl wichtigste Sorte ist ihrer Meinung nach Flore Pleno, die es häufig auch unter der Bezeichnung Rubro Pleno gibt.

„Die granatroten Blüten dieser Sorte entsprechen weitgehend den normalen Granatapfelblüten, wirken aber etwas größer, da sie gefüllt sind“, sagt die Buchautorin. Die zweite bekannte Sorte heißt Legrellei. Die gefüllten Blüten haben einen weißen Rand und können handtellergroß werden.

Nacheinander erscheinen bis zu 13 Blüten am gleichen Triebende. Die gelb gefüllte Sorte Flore Luteo und das weiß blühende Pendant Albo Pleno werden vorwiegend von Sammlern geschätzt. Aber sie blühen nicht so groß und zahlreich wie Rubro Pleno und Legrellei. Eine besondere Gruppe innerhalb der Ziersorten bilden die Zwergformen. „Nana heißt eine Sorte, die kaum höher wird als einen Meter“, sagt Höggemeier. Meist wächst das Gehölz mit orangeroten Blüten stärker in die Breite als in die Höhe. Noch schwächer gedeiht die gefüllt blühende Form Nana Plena. Sie habe wenig verzweigte, dicke und steife Triebe und wirke daher wie ein Bonsai, sagt Sansoni.

Der Granatapfel ist hierzulande eine typische Kübelpflanze. „Im Sommer liebt sie es heiß und trocken“, sagt Höggemeier. Die Pflanze mit den kleinen, glänzenden Blättern verträgt Sansoni zufolge sogar direkte Sonneneinstrahlung. Im Winter sollte der Strauch so lange wie möglich draußen bleiben und erst ins Haus kommen, wenn die Temperaturen unter minus zehn Grad fallen – selbst wenn er seine Blätter dann schon längst verloren hat. Das verzögere seinen Austrieb im Frühjahr, was die Buchautorin Sansoni empfiehlt. Denn dann wachse das Gehölz kompakter. Außerdem reagiere er weniger empfindlich auf Spätfrost. Die Pflanze braucht ein Winterquartier, das möglichst kalt und nicht zwingend frostfrei ist. Wird er unter Glas kultiviert, ist der Granatapfel anfällig für Blattläuse und die schädlichen Weißen Fliegen. Das Gehölz kommt am besten Anfang bis Mitte März wieder ins Freie.

Dort ist es pflegeleicht – nur sollte der Granatapfel nicht zu reichlich Dünger und Wasser bekommen. Das wirke sich negativ auf die Bildung von Früchten aus, sagt Höggemeier. Blüht das Gehölz erst gar nicht, kann das laut Expertin Sansoni an einem zu schattigen Standort im Freien liegen.dpa

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