Zeitung Heute : "Dieser Mann will den Erfolg" - Volker Hassemer im Interview

Michael Braun[der medienpolitische Sprecher der B]

Volker Hassemer ist Chef der Marketing-Gesellschaft "Partner für Berlin". Mit ihm sprach Joachim Huber über den Medienbeauftragten Bernd Schiphorst.

Michael Braun, der medienpolitische Sprecher der Berliner CDU, hat die Berufung des Bertelsmann-Managers Bernd Schiphorst zum Medienbeauftragten für Berlin/Brandenburg kritisiert. Die RTL-Senderfamilie habe sich in der Region bisher kaum engagiert, zudem bleibe Schiphorst dem Bertelsmann-Konzern über einen Beratervertrag verbunden. Wieviel Berechtigung steckt in diesen Kritikpunkten?

Ich habe in diesen Tagen mehrere Äußerungen aus dem parlamentarischen Bereich gehört, denen es nicht gelungen ist, Bernd Schiphorst gerecht zu werden. Er ist ein Mann, der große Erfolge in seiner beruflichen Laufbahn aufzuweisen hat; ein Mann, der für ein höchst bedeutsames Medienunternehmen eine wichtige Rolle gespielt hat; der weiss, was er tun muss, um nun in einer neuen Rolle erfolgreich zu sein.

Bei einem solchen Mann muss man nicht annehmen, dass er nun ausgerechnet in seiner Arbeit für Berlin seinen Erfolgswillen vergisst. Daran wird er sich durch nichts, schon gar nicht durch seine Nähe zu Bertelsmann, hindern lassen. Jeder darf im Gegenteil annehmen, dass er diese Nähe für seinen Erfolg in Berlin einsetzen wird.

Der Fachmann Schiphorst kommt aus der Privatwirtschaft, nicht aus der Politik. Ist die Politik derartiges noch nicht gewohnt?

Wenn man die genannten Kommentare liest, muss man dies befürchten. Der Erfolg des Bereichs Information und Kommunikation in Berlin, einem der erfolgversprechendsten für unsere Stadt überhaupt, entscheidet sich im wirtschaftlichen Bereich. Da ist die Idee glänzend und eher überfällig, sich eines in der Medienwirtschaft erfahrenen Akteurs zu versichern. Die Rolle der Politik ist dabei die des Dienstleisters, die Randbedingungen möglichst günstig zu gestalten, statt Störfeuer zu verursachen.

Schiphorsts Ernennung mal nicht von innen, sondern von außen betrachtet: Vielleicht ein Signal für die Öffnung, ja "Globalisierung" des Dorfes Berlin?

Gott sei Dank beginnt diese "Globalisierung" nicht erst mit Schiphorst. Berlin darf inzwischen registrieren, daß nicht nur Leute wie - einfach um einige Name zu nennen, die vor 10 Jahren noch nicht in der Stadt waren - Mangold, Dussmann, Eckrodt, Wall, Piepenbrock, wie Rupf und Kauermann in hiesigen Unternehmen agieren, dass sich Persönlichkeiten wie Reuter, Genscher, Gentz, Hoffmann, Feddersen, Dürr in Berlin gesellschaftlich engagieren. Wir sind also nicht am Anfang.

Was kann, was muss ein Medienbeauftragter für die Region erreichen?

Sehr bedeutsam ist, dass er von der Seite der Macher kommt, nicht von der der Verwaltung. Er kennt die Spielregeln und er hat Zugang zu den Playern in der Medienwirtschaft. Er wird Strategien entwickeln können für den Senat, um zu neuen Kooperationsformen und zu Aktionen der Politik zu kommen, um den Standort voranzubringen. Und ein ganz besonderer Aspekt: sein Auftrag gilt der Gesamtregion. Denn die kann nur gemeinsam in der nationalen (wo sie Nummer 1 werden muss) und internationalen Konkurrenz erfolgreich sein. Mit dem Hut der beiden Regierungschefs auf dem Kopf hat er die Durchsetzungskraft zur Bündelung der Kräfte in der Region. Damit muss er etwas anfangen.

Welche Strukturen braucht Bernd Schiphorst für sein Amt, um erfolgreich zu sein?

Ein solcher Beauftragter wird bestellt, weil man der Erfahrung, der Kraft, der Vernetzung dieser Person vertraut. Meine Überzeugung ist, dass dieses Vertrauen in Bernd Schiphorst gerechtfertigt ist. Was nach meiner Erfahrung problematisch wäre, wäre die Gründung einer weiteren Behörde oder Organisation um den Beauftragten herum. Schiphorst muss auf die Unterstützung in den Verwaltungen beider Länder bauen können, muss Zugriff auf Personal dort haben. Der Aufbau einer eigenen Organisation würde nur neue Reibungsverluste erzeugen.

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