DIE WEINE DES MONATS : DIE WEINE DES MONATS

RHEINGAU

Großer Riesling aus allerbester Traditionslage

Der Rheingau ist vermutlich zusammen mit der Mosel das international berühmteste deutsche Weinanbaugebiet. Beispielhaft für die Tradition ist ist der immer noch trinkbare Rüdesheimer Apostelwein von 1727, der als Fass im Bremer Ratskeller steht – allerdings geht der Anbau auf der privilegierten, ganz nach Süden ausgerichteten Rheinfront zwischen Rüdesheim und Walluf sogar auf eine Anordnung Karls des Großen zurück.

Die unglückliche Weingesetzgebung von 1971 hat auch hier viel guten Ruf zerstört, doch mit der Wiederentdeckung des Qualitätsbewusstseins durch mutige Jungwinzer und Traditionsbetriebe kam der Wiederaufschwung. Die Weingüter Geheimrat Wegeler waren von Anfang an dabei - auf die Initiative des damaligen Gutsverwalters Norbert Holderrieth geht die Erfindung des „Geheimrat J“ 1983 zurück, der inmitten einer Flut zuckriger Belanglosigkeit das neue Bild des trockenen deutschen Rieslings begründete und bis heute dafür einsteht.

Das Gut Wegeler hat sich als Mitglied des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP) natürlich auch dessen Konzept der Großen bzw. Ersten Lagen angeschlossen, in das der „Geheimrat“ nicht passt. Die Lagen dafür sind im Gutsbesitz, beispielsweise der Geisenheimer Rothenberg, der sich mit einer Steilheit von maximal 40 Prozent gut geschützt direkt hinter Geisenheim erhebt. Fast 20 Hektar Rebfläche, als Einzellage erstmals 1145 erwähnt – ein Prunkstück der deutschen Weinbaukultur. Die nach internationalen Gepflogenheiten verknappte Schreibweise 2009 Geisenheim Rothenberg Riesling trocken deutet auf den privilegierten Status der Lage hin, und erst recht tut es das, was in der Flasche steckt. Der Jahrgang machte herausragende Qualität möglich, und Kellermeister Andreas Holderrieth hat es geschafft, diese Qualität konsequent umzusetzen. Das ausladende Bukett, das an reife Aprikosen, Pfirsiche und Mirabellen erinnert und von Kräuternuancen durchwoben ist, spiegelt exakt das Terroir der Lage ; am Gaumen erfreut ein subtiles Säuregerüst nebst komplexen, vielfältigen Aromen, superb ausbalanciert und mit langem Nachhall - ein Weltklasseriesling. Die Flasche kostet angemessene 43,90 Euro bei Welt der Weine in der Winsstraße 17 in Prenzlauer Berg.

LUXEMBURG

Ungewöhnlicher Sekt nach Champagner-Tradition

In der letzten Feinkost-Ausgabe haben wir einen vorzüglichen Grauburgunder aus Luxemburg vorgestellt – doch das winzige Weinland an der Mosel hat noch mehr zu bieten. Sehr bekannt ist das nicht, weil die Luxemburger ihr Stöffchen am liebsten selbst trinken und mit 60 Liter pro Kopf und Jahr mehr als doppelt so viel verbrauchen wie der große deutsche Nachbar; was doch in Deutschland ankommt, dürfte meist im privaten Kofferraum gereist sein. Und auf große Namen legt auch niemand wert - 70 Prozent der luxemburgischen Weine kommen aus Genossenschaften, die mit sehr großen Hektarerträgen auf den Markt der anspruchslosen Zechweine zielen.

Gales in Remich ist einer der wenigen bekannteren Erzeuger. Schon Nicolas Gales, der den Betrieb 1916 gründete, war nicht nur Winzer, sondern auch ein Pionier der Sektherstellung. Von Anfang an versuchte er, die Stilistik seiner Sekte den Champagnern anzugleichen, die in einer klimatisch gut vergleichbaren Situation erzeugt werden. Das gelang ihm so gut, dass die nachfolgenden Generationen seinen Kurs entschlossen einhielten, und so gelang es Marc Gales ab Mitte der Achtziger Jahre, sogar stark zu expandieren und einen anderen großen Betrieb in Remich seinem Reich anzufügen; 2002 eröffnete er zudem eine neue Schaumweinkellerei in Ellange.

Auf diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass der von uns ausgewählte Gales Brut blanc de Blancs Privat Cuvée nicht nur nach der klassischen Methode der Flaschengärung erzeugt wurde, sondern auch im Charakter an Champagner erinnert, dabei aber preislich vergleichbaren Champagnern weit überlegen ist. Diese Cuvée aus weißen Rebsorten - vermutlich vor allem Elbling, Pinot Blanc, Auxerrois – besticht durch ein vielschichtiges Bukett mit animierenden Apfelnoten, Zitrus- und Exotentönen, gibt sich im Mund cremig und fein, mit eleganter, lang anhaltender Perlage.

Dies ist ein erfrischend frühlingshafter Aperitif, der auch im Spätwinter herausragend gut schmeckt und Lust auf die nächste Flasche weckt. Die erste Flasche kostet - wie alle weiteren - 14,90 Euro in der Weinhandlung Hertz, Leonhardtstr.7 in Charlottenburg und Rüdesheimer Platz 11 in Wilmersdorf. Bernd Matthies

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben