DIE WOHNUNG : Nur angenehme und hilfreiche Mitbewohner

Sahin Albayrak
Sahin Albayrak denkt sich eine Wohnung mit vielen elektronischen Helfern – aber ebenso „analogen“ Dingen wie Magazinen.
Sahin Albayrak denkt sich eine Wohnung mit vielen elektronischen Helfern – aber ebenso „analogen“ Dingen wie Magazinen.

Für die eigenen vier Wände wählt der Mensch in Zukunft nicht mehr nur die Möbelstücke und die Wandfarbe aus. Nein, er kann sich auch aussuchen, welche Assistenten den Wohnkomfort steigern. Sie sind unsere neuen Mitbewohner, freundlich, sinnvoll, intelligent, leise, effizient und aufmerksam. Sie verstecken sich in allen Haushaltsgeräten. Die Assistenten unterstützen Menschen, wo sie nur können und sind nicht mehr wegzudenken. Dank ihnen werden die Zimmertemperatur reguliert, der Stromverbrauch reduziert, Licht an- und ausgeschaltet, Kochrezepte und Einkaufslisten erstellt und Fernsehprogramme kombiniert. Sie können alles, was der Mensch sich wünscht, um sich zuhause wohlzufühlen.

Die Assistenten verhalten sich intelligent nach den individuellen Wünschen der Bewohner. Hat man beispielsweise vergessen, die Tür abzuschließen, denkt der Assistent mit und verriegelt das Schloss. Nach einem kalten verregneten Arbeitstag im Herbst empfängt einen eine warme Wohnung, da der Assistent weiß, wann der Bewohner von der Arbeit nach Hause kommt. Den Roboter dürfen wir nicht vergessen, der schnell die Wohnung reinigt und den Drink serviert. Assistenten kommunizieren natürlich mit dem Bewohner und auch untereinander, per Smartphone oder iPad.

In einer Box wird dieses Assistentensystem gebündelt. Alle notwendigen Technologien für eine umfassende Gerätevernetzung befinden sich also in einem Gerät, sodass es ohne großen Aufwand in jeden Haushalt integriert werden kann. Die Assistenten und Dienste erhält man über einen Online-Store und installiert diese unkompliziert im Gesamtsystem.

Somit wird der Bewohner zu seinem eigenen Systemintegrator und kann sein Heim je nach Wunsch und Ausstattung selbst konfigurieren. Problemlos lassen sich die unterschiedlichen Dienste miteinander verknüpfen. Damit man auch das bekommt, was man bestellt hat, werden zwischen dem Dienstanbieter und dem Endkunden verbindliche Aussagen festgeschrieben.

Die Vielfalt der Assistenten ist dabei schier unbegrenzt. So kann ein Gesundheitsassistent den Bewohner dabei unterstützen, individuelle Ziele zu erreichen, informiert ihn über Nahrungsmittel, teilt Kochrezepte mit und motiviert zum Sport. Sei es die virtuelle Radtour, die Joggingroute oder das Animationsspiel, dies alles befindet sich in der Wohnung der Zukunft.

Neben Gesundheit und Komfort spielt das Energiemanagement im zukünftigen Heim eine wichtige Rolle. Der Einsatz von Elektro- und Wärmeenergie wird durch den Energieassistenten optimiert: Er sucht nach dem idealen Kompromiss zwischen der über den Tageslauf schwankenden Nachfrage im Haushalt und den – ebenfalls zeitabhängigen – Sonderangeboten der Versorgungsunternehmen. Der gesamte Strom kommt aus erneuerbaren Energiequellen. Sogar den Strom von der Autobatterie kann der Bewohner im Haushalt nutzen, je nach Bedarf.

Der Autor leitet das Fachgebiet Agententechnologien in betrieblichen Anwendungen und der Telekommunikation, ist Gründer und Leiter des DAI-Labors (Distributed Artificial Intelligence Laboratory) der TU Berlin sowie Vorstandsvorsitzender des Innovationszentrums Connected Living.

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